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Artikel

Mehr als nur ein Projekt einer Rocklegende: die Mick Ralphs Blues Band

Info

Gesprächspartner: Mick Ralphs Blues Band

Zeit: 05.04.2014

Ort: Roth - Kulturfabrik

Interview: Face 2 Face

Stil: Blues-Rock

Internet:
http://www.mickralphsbluesband.co.uk

Lebende Legenden wie Mick Ralphs, den Gitarristen von Bad Company und Mott The Hoople, bekommt man nicht alle Tage zu Gesicht. Als uns das Angebot gemacht wurde, den Mann zu seinem neuesten Projekt - der Mick Ralphs Blues Band - zu interviewen sagten wir natürlich nicht nein. Am Tag es Auftritts bei den Rother Bluestagen war es soweit. Als wird in den Backstage-Bereich geführt wurden, staunten wir nicht schlecht, denn statt des Gitarristen saß gleich die komplette Band mit am Tisch, um gemeinsam Rede und Antwort zu stehen. Die überaus sympathischen Musiker begrüßten uns und das sorgsam geplante Interviewkonzept wurde kurzerhand über den Haufen geworfen. Die Musiker redeten alle kreuz und quer, waren witzig, humorvoll und kaum zu bremsen. Teilweise konnte man sich dem Gefühl nicht erwehren, man würde mit Monty Python am Tisch sitzen. Typisch britischer Humor - einfach klasse. Mr. Ralphs macht einen gesundheitlich fitten Eindruck. Er ist eher der ruhige, zurückgezogene Typ und es macht den Anschein, als ob Interviews geben nicht gerade zu seiner Lieblingsbeschäftigung zählt. Das machen seine Bandkollegen jedoch wieder wett. Dies sind namentlich Sänger und Harp-Spiler Stuart Maxwell, Gitarrist Jim Maving, Bassist Dickey Baldwin und Schlagzeuger Adam Perry. Nun aber ab ins Getümmel:

die Mick Ralphs Blues Band (v.l.n.r.): Stuart Maxwell, Mick Ralphs, Jim Maving, Adam Perry und Dickey Baldwin


Hallo zusammen! Wir wir freuen uns sehr, dass ihr uns die Chance gebt, Euch zusammen zu interviewn. Außerdem freuen wir uns sehr, euch heute Abend live zu sehen und bedanken uns, dass ihr für ein paar Konzerte nach Deutschland kommt!

Mick Ralphs: Schön, dass ihr da seid! Es ist super, wieder hier in Deutschland zu sein!

Es war im Vorfeld nicht leicht, Infos über Eure Band heraus zu bekommen. Ich habe Eure Namen aufgeschrieben und wollte wissen, ob ihr alle noch mit an Bord seid.

Stuart Maxwell: Ja! Wir spielen in der Konstellation seit circa 18 Monaten zusammen. Wir haben vor kurzem eine kleine aber äußerst gut besuchte Tour durch Spanien gespielt und nun sind wir hier!

Wie kamt ihr auf die Idee, eine Tour durch Deutschland zu machen?

Mick Ralphs: Es war die Idee von unserem Manager Mick Brown. Er vereinbart die Gigs, die wir bekommen können. Und wir wissen, dass Deutschland ein guter Ort ist, um Rhythm & Blues-Musik live zu spielen.

Stuart Maxwell: Blues hat in Deutschland eine große Tradition. Die klassischen Bluesmen kamen in den 50er uns 60er Jahren nach Deutschland und mein Favorit Sonny Boy Williamson war sehr gerne in Deutschland und schrieb sogar einen Song über den Fluss Rhein. Und außerdem ist Deutschland die Heimat der Mundharmonika - und somit auch der Blues-Harp.

Mick, was war der Punkt in Deinem Leben, an dem Du gemerkt hast, „okay, jetzt werde ich Musiker“?

Mick Ralphs: Ich war zwanzig Jahre alt und ich hörte den Song „Green Onions“. Den mochte ich total gerne. Es ist eine Mischung aus Soul- und Blues-Musik. Diesen Song wollte ich unbedingt spielen. Zu der Zeit fing ich an Gitarre zu spielen und ich denke das war der Beginn meiner Musikerlaufbahn. Ich vermute, das geht vielen Musikern so. Sie hören einen Song, der ihnen gefällt und den sie unbedingt spielen wollen. Ich hab meinen Job an den Nagel gehängt und seitdem mache ich Musik.

Welche Gitarristen waren Deine größten Vorbilder bzw. Einflüsse?

Mick Ralphs: Steve Cropper, Albert King, Hubert Sumlin, Joan Baez, Freddie King. Mich hat vor allem ihre Technik fasziniert. Es sind hervorragende Gitarrenspieler, die mich sehr beeindruckt haben. Frag doch mal die Jungs, was denen gefällt!

Dicky Baldwin: Mein größter Einfluss ist Dave Peackock, dem Bassisten von Jason Dave. Er ist ein großartiger, solider Bassist. Und natürlich Pino Palladino, der mittlerweile bei The Who spielt.

Jim Maving: Ich finde Ry Cooder ziemlich klasse. Aber auch Buddy Holly und Scotty Moore.

Stuart Maxwell: Mir gefallen Junior Wells und natürlich Little Walter, einer der besten Blues-Harp-Spieler überhaupt. Pink Floyd, Jimi Hendrix, Greatful Dead…

Adam Perry: Ich spiele Schlagzeug, weil ich das Schlagzeugspielen liebe. Ich war schon als Kind sehr musikalisch. Ich mag Rock, Jazz, Blues und als größter Einfluss John Bonham von Led Zeppelin. Ich hab angefangen zu spielen, als Punk groß wurde. Aber mir gefällt zum Beispiel Glam-Rock genauso gut. Riesig gefällt mir auch Tony Williams, der Schlagzeuger von Miles Davis. Bei dem frag ich mich immer: Wie macht er das bloß?!

Wie seid ihr zufrieden mit den Ticket-Verkäufen der momentanen Deutschland-Tour?

Stuart Maxwell: Die Ticket-Verkäufe laufen sehr gut, wir sind sehr zufrieden.

Adam Perry: Wenn wir in England spielen, ist es nicht so einfach. Die Leute sparen dort ihr Geld und gehen nicht so auf Konzerte. Wir haben jetzt schon zwei Auftritte in Deutschland gemacht, heute ist der dritte. Und ich muss sagen: Beide Abende waren wirklich klasse! Uns ist es wichtig, dass die Fans uns als Band, als die Mick Ralphs Blues Band akzeptieren und das verstehen. Unser Job ist es, die Leute zu den Konzerten zu locken und ihnen Spaß zu bereiten. Wir stecken unser ganzes Herzblut in die Band und ich hoffe, man spürt das auch.

Stuart Maxwell: Klar, es steht Mick Ralphs auf dem Plakat. Er war bei Bad Company und bei Mott The Hoople. Aber die Leute werden merken, dass Mick mit der Band sein eigenes Ding durchzieht: die Musik auf die er Lust hat. Es handelt sich bei uns um kein Projekt. Wir sind eine Band mit eigener Identität und eigenen Ideen. Wir haben auch schon einige Songs zusammen geschrieben, die wir heute Abend live spielen. Mick muss niemand mehr irgendetwas beweisen.


In Europa wird Euer neues Live-Album am 22. April veröffentlicht. Spielt ihr dieselben Songs heute Abend wie auf der CD?

Adam Perry: Ja. Aber manchmal in einer anderen Reihenfolge. (Gelächter) Und manchmal hört es sich besser an wie auf der CD. Und manchmal schlechter. (wieder Gelächter)

Mick Ralphs: Es ist kein komplettes Konzert, es sind nur sieben Songs auf der CD enthalten.

Dicky Baldwin: Wir wollten ein paar unserer Favoriten aufnehmen und den Leuten eine Idee davon geben, was sie von uns zu erwarten haben.

Adam Perry: Und was auch noch wichtig ist: Wir haben ein paar wirklich schlechte Nummern aufgenommen. Ähm, ich meine nein... Songs für das kommende Album aufgenommen (allgemeines Gelächter), die wir hier noch nicht drauf haben wollten. Ein paar eigene Songs sind ja schon auf der CD enthalten. Wie gesagt: Wir wollen unsere eigene Identität mit dem Album finden.

Jim Maving: Der Abend an dem wir das Livealbum aufgenommen haben war klasse. Wir haben vorher schon drei oder vier Shows gegeben und waren daher sehr relaxt und gut eingespielt. Wir hatten im Vorfeld ein paar Bierchen gezischt. (allgemeines Gelächter)

Stuart Maxwell: Wir freuen uns, dass sich die Eigenkompositionen auf der CD auch gut anhören. Wir haben sie mit ein paar ganz alten Blues-Klassikern vermischt.

Dicky Baldwin: Wir haben die Songs zusammen entwickelt und aufgenommen. Mick kam zum Beispiel mit einer Idee und meinte „Leute schaut mal, was meint ihr dazu? Welche Ideen könnt ihr beisteuern?“ Und das ist es, was Laune macht. Songs zusammen zu komponieren.

Mick, wie hast Du die Band überhaupt zusammen gestellt? Hast Du eine Zeitungsanzeige aufgegeben mit der Aufforderung: „Mick Ralphs sucht Leute, die Blues-Rock machen möchten?“

Adam Perry: (lacht) Wenn Mick das getan hätte, hätte er sich ein paar Tausend Musiker anhören müssen. Ein paar von uns spielen als Hausband eines Clubs. Dicky Baldwin kennt Mick schon lange und hat ihn eingeladen, mit uns Musik zu machen. Das war sehr interessant. Wir haben alleine in dem Club begonnen Musik zu machen, haben ein bisschen gejammt und auf einmal kam Mick Ralphs zur Türe herein und spielte mit uns. Wir mochten ihn, er mag uns und so hat sich dieses Line-Up entwickelt.

Dicky Baldwin: Wir fragten Mick: „Bist Du tapfer genug, es mit uns zu versuchen?“ und glücklicherweise war er es.

Adam Perry: Mick muss niemand etwas beweisen. Aber die Entscheidung beweist, dass er für sein Leben gern Musik macht und es für ihn keinen Unterschied macht, ob er im Madison Square Garden spielt oder mit uns in kleinen Clubs. Das ist nicht selbstverständlich. Ein paar von Micks Kumpels sind David Gilmour und Jimmy Page. Sie würden so etwas sicher nicht machen. Ich finde die Tatsache wirklich faszinierend.

Mick, ich hätte ein paar Fragen zu Bad Company. In den 70er Jahren waren Bad Company eine Riesennummer. Peter Grant war Euer Manager und ihr habt in der gleichen Liga wie Led Zeppelin oder Deep Purple gespielt. Was war das verrückteste Erlebnis aus der Zeit, an das Du Dich gerne zurück erinnerst?

Mick Ralphs: In den 70er Jahren ging es uns sehr gut und auch Led Zeppelin ging es damals sehr gut. Es war für mich insgesamt eine sehr aufregende Zeit. Es war fantastisch, total verrückt.

Stuart Maxwell: Die Geschichten die Mick im Tourbus oft erzählt, sind sehr unterhaltsam. Auch spielt Boz Borell (verstorbener Bassist von Bad Company - Anm.d.Verf.) hier oft eine Rolle.

Mick Ralphs: Er war ein großartiger Junge, ich mochte ihn sehr. Wir haben damals eine fantastische Musik zusammen gemacht, spielten gigantische Shows. Die Musik wird heute noch gehört und das ist das, worauf ich wirklich stolz bin. Es könnte auch ganz anders sein, nämlich dass sich kein Mensch mehr für unsere Musik interessiert. Das Gegenteil ist der Fall und dafür bin ich äußerst dankbar. Es gibt viele Geschichten aus der damaligen Zeit. Vieles liest man oder hört man. Ich war eher immer der Beobachter und habe andere Leute dabei beobachtet, wie sie verrückte Sachen gemacht haben. Das Verrückteste was ich gemacht habe - ich würde es insgesamt als „Tea Time“ bezeichnen. (allgemeines Gelächter)

Dicky Baldwin mit einem todernsten Gesicht: Also gut, wir erzählen euch unsere tiefsten, abgründigsten Tourgeheimnisse dieser Band: Wir lassen's im Tourbus auch ordentlich krachen. Wir spielen Backgammon, Karten… (allgemeines Gelächter)

Mick Ralphs mit Bad Company in den 70ern (r.)

Im Jahr 2012 wurde in Deutschland eine Tour mit Bad Company als Headliner angekündigt. Mit dabei wären Blue Öyster Cult, Roger Chapman und Bachman Turner Overdrive gewesen. Die Tour fand niemals statt. Was waren die Gründe für die Absage der Tour?

Mick Ralphs: Davon hab ich nichts gewusst, ehrlich. Wir haben in dem Jahr einen Auftritt auf dem Sweden Rock Festival in Europa gemacht - das war's. Ich habe nichts darüber gehört, dass irgendetwas in der Art geplant gewesen wäre. Wobei: Ich kann mich erinnern, dass einige Monate vorher so etwas an mich herangetragen wurde. Aber ich hab dann lange nichts mehr davon gehört und das Ganze ist bei mir in Vergessenheit geraten.

Adam Perry: Wurden damals tatsächlich Tickets verkauft?

Ja klar, wir hatten Tickets gekauft.

Adam Perry: Habt ihr Euer Geld zurück bekommen oder sollen wir es euch jetzt zurück geben? (allgemeines Gelächter)

Mick Ralphs: Wie viele Termine waren denn da angesetzt?

Ich schätze mal so sieben bis acht Termine - fast alle in großen Hallen.

Jim Maving: Habt ihr den Led Zeppelin Film The Song Remains The Same gesehen? Da gibt es die Szene, in der John Paul Jones die Nachricht vom Manager bekommt, dass demnächst ein Konzert stattfindet. John Paul Jones fragt den Manager, wann das Konzert stattfinden soll und er meint: morgen. So etwas ist im Musikgeschäft relativ normal und häufig.

Plant ihr, in der jetzigen Besetzung ein Studio-Album zu machen?

Stuart Maxwell: Ja, das ist demnächst geplant. Wir spielen heute Abend ein paar Songs, die wir so noch nicht live gespielt haben. Mick hat wieder einen neuen Song geschrieben. Von daher: Wir haben genug Material für ein ganzes Album. Wir wollen das Album live im Studio aufnehmen.

Jim Maving: Das Album soll das Live-Feeling auf die CD bringen. Wir haben auf der Bühne sehr viel Spaß zusammen und freuen uns auf jeden Auftritt. Wenn wir es schaffen, dieses Gefühl auf die Studioaufnahmen zu übertragen, bin ich vollauf zufrieden.

Dicky Baldwin: Bad Company haben ihr erstes Album auch live aufgenommen. Ihre Songs wurden auf Tour komponiert und dann mit der Liveerfahrung im Rücken im Studio eingespielt. So bekommst Du einen klasse Effekt.

Stuart Maxwell: Blues ist eine Musik, die vom Live-Feeling lebt. Blues ist nichts Gekünsteltes, nichts Vorhersehbares. Blues muss aus dem Herzen und aus der Seele kommen, dann ist alles ok.

Dicky Baldwin: Stuart ist ein klasse Blues-Sänger und spielt hervorragend Mundharmonika. Rock singt er genauso gut - aber überzeugt euch nachher beim Konzert selbst davon.

Stuart Maxwell: Es ist für einen Sänger cool, wenn man auch Respekt vom Bassisten bekommt. (allgemeines Gelächter)

Wenn die Deutschland-Tour vorbei ist: Habt ihr weitere Auftritte in naher Zukunft?

Stuart Maxwell: Wir haben einen Gig in London und einen noch irgendwo in England, aber dann ist erst mal ein bisschen Pause.

Dicky Baldwin: In Frankfurt ist ein Festival geplant, auf dem wir vielleicht auftreten. Das ist aber noch nicht ganz sicher. Wir müssen halt immer ein bisschen schauen, wie Mick mit seinen anderen beiden Bands Bad Company und Mott The Hoople verplant ist. Danach müssen wir uns mit unserer Band natürlich richten.

Stuart, was machst Du, um Deine Stimme in Form zu halten?

Stuart Maxwell: Ich habe mir einige Tricks drauf geschafft, um die Stimme in Form zu halten. Und das musst Du auch. Wir haben demnächst sechs Auftritte am Stück. Da muss die Stimme halten. Ich hoffe sie tut es. Ich übe viel, trinke viel Wasser, schlafe genügend. Ich nehme auch Gesangsstunden und habe mir ein Buch gekauft, in dem gute Atemübungen drin stehen.

Okay, dann wünschen wir Euch einen tollen Auftritt. Vielen Dank für diese Interview mit Euch!

Stefan Graßl


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