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Artikel

Ein Leben zwischen Musik machen und Gassi gehen. Ex-Uriah Heep Drummer Lee Kerslake ist wieder da.

Info

Gesprächspartner: Lee Kerslake

Zeit: Dezember 2013

Ort: Berlin - London

Interview: E-Mail

Stil: Rock

Es sah ja so aus, als wäre Uriah Heep Drummer Lee Kerslake wegen Rückenproblemen endgültig in die Rente gegangen. Dass er nun mit der Berggren Kerslake Band wieder am Start ist, wirft natürlich Fragen auf. Fragen, die ihm von Norbert von Fransecky gestellt wurden. Natürlich war es Norbert klar, dass Lee Kerslake primär über seine neue Band sprechen wollte. Aber Kerslakes Verbindung mit Uriah Heep ist so stark, dass erst einmal Vergangenheitsbewältigung betrieben wurde, bevor die beiden sich dem neuen Projekt widmeten.

Der Drummer widersetzte sich den rückwärts gewandten Fragen auch nicht, sondern war in dieser Hinsicht genauso auskunftsfreudig, bzw. wortkarg, wie in Beziehung auf die neue Band.


MAS: Vor einigen Monaten hast Du Uriah Heep aus gesundheitlichen Gründen verlassen. Nun bist Du mit einer neuen Band wieder da. Das könnte zu Gerüchten führen, dass die Gesundheit gar nicht der wirkliche Grund für Deinen Ausstieg war.

Lee Kerslake: Ich habe UH verlassen, weil ich mich nicht auf meine Aufträge konzentrieren konnte. Ich habe im Bus schlecht geschlafen und konnte meinen Job daher nicht machen. Ich habe die Band enttäuscht, und ich war auch noch so stur, dass ich nicht eingesehen habe, dass ich krank war. Erst nachdem ich eine ganze Anzahl von Ärzten aufgesucht hatte, habe ich der Wahrheit ins Gesicht gesehen. Ich schleppte eine ganze Reihe von Krankheiten mit mir rum.

MAS: Geht es Dir wieder besser, oder ist die Arbeit mit der Berggren Kerslake Band weniger intensive im Vergleich zu Heep?


Lee Kerslake: Nach der Trennung von UH hatte ich viel Zeit mich zu erholen, einige Jahre im Ganzen. So konnte sich mein gesundheitlicher Zustand schrittweise etwas bessern. Die Arbeit mit Stephan war intensiv, verteilte sich aber über mehrere Jahre, und sie machte einfach Spaß ohne Druck zu sein. Das hört man den Stücken auch an.

MAS: Mit einer kurzen Unterbrechung warst Du mehr als 35 Jahre bei Heep. Was fühlst Du, wenn Du erlebst, wie die Band mit einem anderen Drummer weiter macht?

Lee Kerslake: Ich habe keine Probleme damit, den neuen Drummer zu beobachten. Er ist gut!

MAS: In der deutschen Wikipedia ist zu lesen, dass Du nach dem Ausstieg bei Uriah Heep bei einer Band namens Masters Project warst. Was ist das für eine Band? (Der Link zur Masters Project Homepage in Wikipedia funktioniert nicht.) Gibt es sie noch?

Lee Kerslake: Masters Project ist von Steve Kingston-Kerslake zusammengestellt worden, damit ich etwas zu tun hatte. Es war, wenn du willst, eine Coverband, die Sachen von UH und Ozzy gespielt hat. Dort habe ich Stephan kennen gelernt.

MAS: Die Berggren Kerslake Band macht auf dem Debütalbum eher Classic Rock mit deutlichen Blues Roots. Von dem manchmal progressive Hard Rock, den man von Uriah Heep her kennt, ist nicht sonderlich viel zu hören. Ist die Band ein Baby von Stefan Berggren, bei Du Dich nicht sonderlich ins Songwriting einbringen kannst? Oder ist der Blues Rock eine Liebe, die Du bei Uriah Heep nicht ausleben konntest?
Live-DVD der Allstar-Band Living loud


Lee Kerslake: Sämtliche Stücke sind von mir und Stephan geschrieben. Und ich habe etliche Sachen für UH, Ozzy und Living loud geschrieben. Das mit dem Blues hat sich so ergeben, als wir zusammen jammten. Es schien uns, als würden wir das hin bekommen.

MAS: Neben Uriah Heep hast Du in der Vergangenheit mit einigen recht bekannten Größen gearbeitet. Ozzy und Living loud (mit Don Airey, Jimmy Barnes, Bob Daisley und Steve Morse; NvF) hast Du schon erwähnt. Stefan Berggren ist für mich dagegen ein völlig unbeschriebenes Blatt. Wie kam es, dass Ihr beide eine gemeinsame Band ins Leben gerufen habt?

Lee Kerslake: Wir haben bei Masters Project zusammen gearbeitet , haben uns gegenseitig großen Respekt entgegen gebracht und gedacht, es könnte eine gute Idee sein, wenn wir zusammen ein Album machen. Stephan war vorher als Sänger bei Company of Snakes, einer Band mit Bernie Marsden (Ex Whitesnake).

MAS: Mit zwei Ausnahmen, der Delta Blues Hommage „Rock’n’Roll Gangsta” und dem abschließenden „Born again”, haben die Texte durchgehend eine ähnliche Grundstimmung. Sie sind zwar nicht ohne Hoffnung, aber sie beschäftigen sich überwiegend mit schlechten Zeiten, Schicksalsschlägen, falsch eingeschlagenen Wegen und tragischen Entscheidungen. Ist das reine Lyrik, oder arbeitest Du damit eigene Lebenserfahrungen auf?

Lee Kerslake: Die Texte beruhen auf zahlreichen Situationen, die Menschen aus unserm Bekanntenkreis erlebt haben, einige stammen aus eigener Erfahrung. Andere sind aus Zeitungsberichten heraus entstanden.

MAS: Der Text von „Born again” ist ein klares Bekenntnis zu Gott. Und die Formulierung “Born again” steht gewöhnlich im Zusammenhang mit einer sehr strengen und konservativen (amerikanischen) Art von Christentum? Würdest Du (oder Stephan Berggren) Euch als wieder geborene Christen bezeichnen?

Lee Kerslake: „Born again” wurde im Blick auf sehr verschiedene Aspekte geschrieben. Drogenmissbrauch, Raub, Vergewaltigung, Gewalt, Gefängnis. Es geht um Menschen, die einen schlechten Weg gehen und Halt machen, bevor es zu spät ist. Stephan und ich, wird sind wieder geborene Mucker.

MAS: In den Textblättern, die mir Eure Promoagentur zur Verfügung gestellt hat, wird das Wort „God“ auf eine ganz spezielle Art und Weise dargestellt („and we thank go--------------d that We're Alive”). Steckt hinter diesem Layout eine besondere Bedeutung? Wird es so auch im Booklet der CD erscheinen? (Das Interview wurde vor Erscheinen der CD geführt; NvF)

Lee Kerslake: Das hat keine besondere Bedeutung. Wir danken Gott, dass wir leben, weil wir dieses großartige Album machen konnten.
Die neue Band

MAS: Wie sehen die Zukunftspläne der Berggren Kerslake Band aus? Wird es Liveauftritte und weitere Aufnahmen geben?

Lee Kerslake: Wir werden erst einmal viel Zeit in die Promotion des Albums stecken und halten Ausschau nach Auftrittsmöglichkeiten und Promotoren!!!

MAS: Und jenseits der Band. Wird man dich noch in anderen Projekten erleben können?

Lee Kerslake: Zur Zeit reicht es mir den Hund auszuführen und diese Projekt zu betreiben. Das ist genug.

MAS: Herzlichen Dank für die Antworten.

Lee Kerslake: Thanx

Norbert von Fransecky


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