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brötzend, krasses Schrubben - Chamäleontheorie II von Gordon Kampe

Info

Autor: Gordon Kampe

Titel: Chamäleontheorie II – 13 Variationen über ein Lied von Frau Cz.

Verlag: Edition Juliane Klein [EJK 0592]

ISBN: ISMN M - 50147-724-1

Preis: € 16,00

24 Seiten

Internet:
http://www.gordonkampe.de
http://www.editionjulianeklein.de

Der Komponist und Musikwissenschaftler Gordon Kampe hat sich in den letzten zehn Jahren, seit Abschluss seines Studiums (u.a. Komposition bei Hans-Joachim Hespos, Adriana Hölszky und Nicolaus A. Huber) einen guten Namen in der deutschen und europäischen Kulturszene machen können. Davon zeugen Auszeichnungen wie der renommierte Folkwangpreis (2003) oder der prestigeträchtige zweimalige Kompositionspreis der Landeshauptstadt Stuttgart (2007 & 2011), der seit 1955 ausgelobt wird. Seine Musik besitzt oft eine szenische Qualität, was sich auch in der Komposition einer Oper "Zivilcourage" (UA 16. Juli 2009 in Stuttgart) niederschlägt.

Chamäleontheorie II – 13 Variationen über ein Lied von Frau Cz. gehört zu einer Serie, die in der Zwischenzeit vier Teile umfasst. Gordon Kampe beschreibt Chamäleontheorie als eine 'work in progress'. Er verwendet dabei zumeist Textausschnitte, die irgendeine Beziehung zu seiner westfälischen Heimat haben als Inspirationsquelle. So bezieht er sich zum Beispiel bei Chamäleontheorie I auf ein Zitat von Jürgen Klopp: "Gefühlte 70.000 Bratwurststände". Chamäleontheorie II basiert auf einem einfachen Lied einer Sängerin seines ehemaligen Kirchenchor. Aus diesem Lied bzw. einem Fragment daraus hat Gordon Kampe nun 13 Variationen für die Besetzung Saxophon, Posaune, Klavier, Violine, Viola und Zuspielungen ausgearbeitet, die sehr frei und lebendig mit dem Ursprungsmaterial umgehen. Die einzelnen Variationen werden unter anderem mit 'Lied', 'Quartett', 'Sakrales', 'Dröhnsolo', 'Druff, Schwoofend', 'zackig voran, mit Schwung in die Erdbeeren', 'Grässliches Röhren, wabernd' oder 'Riesensolo: Quasi Kadenza, brötzend' bezeichnet. Dies zeigt schon, dass die Variationen eine enorme Variationsbreite besitzen. Neben fast schon gefälligen Passagen werden in anderen Variationen manche Stimmen enorm überzeichnet (wie z.B. das Saxophon im 'Dröhnsolo', welches sich 'garbarekaufkoksartig' über alle anderen Instrumente erhebt). Andere Stimmen werden in den Hintergrund gedrängt, aus dem sie sich immer wieder befreien können und so in kleinen Zäsuren herausleuchten. So entsteht ein lebendiges Neben- und Miteinander, das den Spielern ein enormes Können abverlangt. Die Spielanweisungen zeugen dabei auch von einem gewissen Humor zwischen den Zeilen. Sehr plastisch kann man sich 'Krasses schrubben' bei den Streichern oder 'Kaputtes zelebrieren' bei der Posaune vorstellen. Und 'garbarekaufkoksartig' oder das herrliche 'brötzend' sind feine Verbeugungen vor großen Musikern.

Die Partitur zu Chamäleontheorie II – 13 Variationen über ein Lied von Frau Cz. ist in der Edition Juliane Klein erschienen. Hier kann man auch das Aufführungsmaterial (wie z.B. die CD-Einspielungen) ausleihen. Mit ca. 8 Minuten Länge eine feine Ergänzung für Konzerte und Aufführungen, die sich mit Neuer Musik und Avantgarde auseinandersetzen vorausgesetzt man hat Musiker, die auch die technischen Fertigkeiten besitzen, um sich diesem Material zu nähern. Empfehlung!

Ingo Andruschkewitsch


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