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Artikel

Ein zweinstündiger (Metal-)Festschmaus: Annihilator in Augsburg

Info

Künstler: Annihilator

Zeit: 23.10.2013

Ort: Augsburg - Spectrum

Internet:
http://www.thegenerals.se
http://www.annihilatormetal.com
https://www.facebook.com/pages/Annihilator/9614139730

Es läuft gut für Jeff Waters und seine Annihilator in den letzten Jahren. Wie er später im Konzert mitteilen wird, ist das aktuelle Album Feast das sich am besten verkaufende der letzten zwölf Jahre und die Clubs sind regelmäßig wieder ziemlich gut gefüllt. So auch an diesem Abend in Augsburg. Dabei schien die Kulisse in der Liveinstitution der Fuggerstadt noch recht spärlich. Statt langhaarigen Metalfreaks fielen anfangs mehr die Stehtische auf der Fläche vor der Bühne auf. Aber das legte sich bald und man konnte die ausgelassene Stimmung der angereisten Fans spüren. Das Publikum selbst war recht bunt gemischt und es tummelten sich zahlreiche junge Verehrer im Club. Ein gutes Zeichen für eine Band, die schon so viele Jahre durch die Welt tingelt.


Als Support für diese Tour wurde von Jeff Waters die schwedische Gruppe THE GENERALS ausgewählt. Das Outfit der vier Musiker gab zum Teil schon mal Aufschluss darüber, was für einen Sound die Band in den nächsten rund 40 Minuten präsentierte: der langhaarige Sänger/Bassist Hednar trug ein Sodom-Shirt, der kurzhaarige Sechssaiter eines von Kevlertak und Gitarrist Dick hätte man fast für den Zwillingsbruder von Backyard Babies' Dregen halten können. Dementsprechend gab es deftigen Metal zwischen heftigem Thrash und Death, angefüttert mit einer ganzen Ladung Rock'n'Roll. Also genau das Richtige als Anheizer. Doch leider war das Ganze relativ eintönig und gleichförmig. So recht wusste man dabei nicht, ob die Generals jetzt schon beim fünften oder doch erst im dritten Song rumlärmten. Vollkommen euphorisch wurde das Quartett dann auch nicht aufgenommen, selbst wenn es ein paar begeisterte Zuschauer gab. Egal, als Anheizer in Ordnung - braucht man nur kein zweites Mal.


Ganz anders waren da natürlich mal wieder die Kanadier ANNIHILATOR, die nach wie vor eine der besten Livebands überhaupt sind. Diese überraschten an diesem Abend mit einer sehr oldschooligen Setliste, welche den üblichen Ablauf von hinten aufrollte. Als zünftigen Einstieg gab es nämlich den sonst üblichen Rausschmeißer „Alison Hell“ auf die Hörlappen - und das bei bestem, differenzierten, aber auch sehr lautem Sound. Kein Wunder, dass die Augsburger bei diesem Start von der ersten Sekunde an Vollgas gaben. Beim folgenden, zackigen Prügler „W.T.Y.D“ übernahm Chef Waters zum ersten Mal selbst das Mikro. Etwas das er an diesem Abend nicht nur einmal tat. Unter anderem gab er noch „Refresh the demon“, „Fiasco“ und „Second to none“ zum Beispiel. Man sieht: nicht nur die üblichen Verdächtigen.

Überhaupt holten Annihilator wieder einige seltener gehörte Songs aus dem Keller. Vor allem die in der Vergangenheit immer wieder etwas vernachlässigte Platte Set the world on fire wurde ausführlich bedacht. Das kam auf der einen Seite ziemlich gut an und zeigte, welch feines Händchen für mit viel Power ausgekleidete Melodien Jeff Waters vor allem früher hatte. Dabei klangen die Titel selten so kraftvoll und mitreißend wie anno 2013. Mit dem sympathischen Bassisten Alberto Campuzano und dem Schlagzeuger Mike Harshaw hatte man eine Rhythmusgruppe mit an Bord, welche ein unzerstörbares Fundament baute. Vor allem letzterer zeigte immer wieder seine Klasse, deren Höhepunkt nicht unbedingt das nach dem ruhigen Medley aus „Phoenix rising“, „Sounds good to me“ und „Snake in the grass“ gespielte Schlagzeugsolo war. Genanntes Medley war für sich auch ein kleines Highlight, das Sänger/Gitarrist Dave Padden gut meisterte, obwohl er tags zuvor noch an einer Erkältung litt. Die Anstrengung beim Singen sah man ihm jedenfalls an. Bei den restlichen (lauten) Songs hatte er jedenfalls weniger Probleme. Erst Recht nicht beim Gitarrenspiel. Seinem Chef kann er zwar nicht das Wasser reichen, aber er ist mittlerweile mehr als nur der unscheinbare Widerpart zum durch und durch sympathischen Jeff Waters. Was dieser mal wieder an der Gitarre veranstaltete - und vor allem, mit welcher Leichtigkeit er es tat -, war allen Ehren wert und äußerst beeindruckend. Kein Wunder, wenn es dem einen oder anderem beim Zusehen schwindlig wurde.

Im letzten Drittel gab man noch einmal richtig Gas und packte die Knüppel aus. Hier gab es denn auch vor allem Songs der letzten beiden Alben, bei denen Filigranität gegen absolute Wucht tauschte. Hier fiel die Stimmung leider ein wenig ab, auch wenn es durchaus beeindruckend war, was die vier Musiker auf der Bühne veranstalten. Trotzdem war der Applaus tosend und das Publikum wollte die Band nach dem rasenden „Deadlock“ nicht gehen lassen. Eine Zugabe musste also her. Mit „Ultra-motion“ und dem Klassiker „King of the kill“ machte man dann aber endgültig den Deckel nach rund zwei Stunden zu. Es war mal wieder ein bärenstarker, abwechslungsreicher Auftritt, einer tollen Liveband und grandioser Stimmung. Hier wurden nicht nur Songs mitgebrüllt, sondern teilweise auch Gitarrenleads und -soli mitgesungen. Sollten Annihilator mal wieder in der Stadt sein: unbedingt hingehen!

Setliste:
Alison Hell
W.T.Y.D
Knight jumps hell
Reduced to ash
Set the world on fire
Refresh the demon
Never, neverland
No zone
Fun Palace
Fiasco
Bliss / Second to none
I am in command
Phoenix rising / Sounds good to me / Snake in the grass
Schlagzeugsolo
No way out
Smear campaign
Time bomb
Ambush
Deadlock
---
Ultra-motion
King of the kill


Mario Karl


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