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Artikel

Auf dem langen Dorf luden die US Rails zum Familientreffen

Info

Künstler: US Rails

Zeit: 22.06.2012

Ort: Blues Garage, Isernhagen

Besucher: 150

Veranstalter: Blues Garage

Fotograf: Norbert von Fransecky

Internet:
http://www.theusrails.com

Das Straßendorf Isernhagen – so habe ich es vor Jahren im Heimatkundeunterricht gelernt – ist das längste Dorf Europas, bestehend aus mehreren „Bauernschaften“, in denen sich Häuser und Höfe wie Perlen an einer Kette aufreihen. Verlässt man die Regionalbahn am Bahnhof Isernhagen, hat man bestenfalls den Eindruck von Länge; nicht aber von Bauernschaften. Eine Gewerbeimmobile reiht sich an die nächste; dazwischen Brache, betonierte Parkplätze, LKWs, Auflieger, mannshohe Kabeltrommeln. Alles recht gut in Schuss; zum Großteil wohl neueren Baudatums. Stahlstraße, Eisenstraße, Nickelstraße – so die phantasievollen Namen. Und dann kommt nach gut 10 Minuten die Industriestraße mit einer etwas heruntergekommen Baracke. In ihr befindet sich direkt hinter einer Werkstatt für aufgemotzte US-Cars endlich die Blues Garage.

Für Menschen mit einem Geburtsdatum nach 1975 scheint hier Eintrittsverbot zu bestehen (Es sei denn man ist Sohn eines der Musiker, oder eine verflixt hübsche Waltersdorfer Tochter, die im Laufe des Abends kurz auf die Bühne gerufen wird.) Dazu passt das Interieur, das ohne weiteres aus den 70ern her teleportiert sein könnte. Eine Texaco-Blech-Werbung, die Frontpartien eines Cadillac und eines Buick als Bühnenbasis respektive Wandschmuck, die Freiheitsstatue auf die Wand gepinselt, eine Indianerstatue aus Plastik, eine Figurengruppe schwarzer Jazzmusiker. Dazu viel Holzverkleidung und eine weit überlebensgroße Les Paul über der Bühne.


Eine Band mit dem Namen US Rails muss sich hier einfach zu hause fühlen. Bilder von Jimi Hendrix und Frank Zappa auf der Bühne machen klar, dass wir es hier sicher mit keiner Redneck-Hochburg zu tun haben.

Mit preußischer Pünktlichkeit starten die US Rails um 21 Uhr in ihren ersten Set. Der Club ist mit ca. 150 Personen so gut gefühlt, dass nie das Gefühl von Leere aufkommt; aber immer noch genug Luft ist, um sich im Raum – auch vor der Bühne – frei zu bewegen. Dasselbe erfreuliche Mittelmass erlebt man beim Sound. Der ist laut genug, um wirklich ROCK zu sein, sprengt aber weder das Trommelfell; noch verwandelt er das, was die Musiker auf ihren Instrumenten erzeugen, zu einem indifferenten Soundbrei. Mit anderen Worten: Wir hatten die idealen Rahmenbedingungen für einen tollen Konzertabend, falls die Musiker in der Lage wären entsprechend tolle Musik entsprechend toll zu präsentieren.
Ben Arnold – im Hintergrund Matt Muir

Dass die US Rails das entsprechende Material zur Verfügung haben, weiß jeder, der bereits – irgendeine – ihrer Veröffentlichungen gehört hat. (Reviews zu allen drei Studio-Alben und der 2012er Live-CD/DVD sind im MAS-Archiv zu finden.) In Isernhagen waren elf der 13 Stücke des aktuellen Albums am Start. Elf weitere Stücke gehörten bereits zum Programm der Live CD/DVD Live Europe 2012. Dazu kamen „Burning Fire“ vom 2010er Debüt und das Beatles-Cover „Day in the Life” als Auftakt des Zugabenblocks.

Umgesetzt wurde das Ganze in Isernhagen auf das Sympathischte. Eine Band ohne Attitüde, ohne optische Gimmicks, ohne nerviges Drumherum. Im Mittelpunkt standen die Musik und die Beziehung zum Publikum. Letzterem dienten die Ansagen, die kurzen Geschichten und auch die Mitklatschphasen, die nie anbiedernd wirkten, sondern immer dafür sorgten, dass das Publikum mitgenommen wurde. Eine tolle Kommunikation, mit Fingerspitzengefühl aus dem Bauch gesteuert.

Ebenso sympathisch die Interaktion der Musiker untereinander. Okay, es gab Unterschiede in der Präsenz der einzelnen Musiker. Joseph Parsons stand erkennbar als Bandkopf im Mittelpunkt.
Tom Gillam konnte nicht nur mit seinem faszinierenden Gitarrenspiel überzeugen. Er lebte außerdem die Rolle als Klassenclown genüsslich aus. Und auch die Position Ben Arnolds, der vom Keyboard auch schon mal zur Mundharmonika oder Gitarre wechselte, war so deutlich hervorgehoben, dass Bassist Scott Bricklin und Drummer Matt Muir dahinter klar zurück fielen. Dass aber ist nichts Besonderes. Das ist bei jeder Band so. Das Besondere bei den US Rails ist, dass diese Selbstverständlichkeit deutlich gebrochen wurde und auch die beiden Letztgenannten ihre Momente im Rampenlicht hatten, in denen sie den Lead-Gesang übernahmen.

Mit einer überzeugenden packenden Mischung aus Rock, Country, Americana und etwas Blues ließen die fünf teilweise in Deutschland lebenden Amis die Spielzeit von gut zwei Stunden netto, wie im Flug vergehen. In der halbstündigen Pause mischten sich die fünf Musiker mit den mitgebrachten Angehörigen unters Volk. Ungeschadet der Möglichkeit sich CDs und andere Utensilien signieren zu lassen, rief das wenig Aufregung hervor. Es blieb ein netter Abend unter Freunden, bei dem man gemeinsam die knackigen Songs der US Rails abfeierte, die es – von dem einen Beatles-Cover abgesehen – nicht für nötig hielten sich mit fremden Federn zu schmücken.

Joseph Parsons und Scott Bricklin

Fazit: In der Blues Garage gab es ein tolles Konzert im intimen Rahmen, bei dem sich weniger als Kunde denn als Gast bei Freunden empfand. Voraussetzung dafür war neben der bodenständigen Band, auch die Location und ihre Betreiber. Schön, dass es noch solche Clubs gibt. Wer einen Aufenthalt in Hannover mit dem einen oder anderen Kulturhighlight plant, sollte auf jeden Fall auch das Programm der Blues Garage checken. Der Nahverkehrszug braucht vom Hauptbahnhof aus gerade mal 12 Minuten bis nach Isernhagen.

Line up

Ben Arnold (Keys, Voc, Mundharmonika)
Scott Bricklin (B, Voc)
Tom Gillam (Voc, Git)
Matt Muir (Dr, Voc)
Joseph Parsons (Voc, Git)


Set List

Heart Don't Lie
Devil In My Hand
Fearless
Old Faithful
Same Old You
Follow The Lights
Most Of It
Ring A Bell
Time
You're My Home
Brown Me In The Sun

Heartbreak Superstar
Sun Gonna Shine
Heaven Right Now
Love Reaction
Eagle & Crow
Don't Take Me Now
Burning Fire
Old Song On The Radio
Do What You Love
Shine Your Light

Day In The Life
Heart Sings True
Lucky Stars

Norbert von Fransecky


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