····· Backtrack meinen’s nicht gut mit ihrer Umwelt ····· Musik machen können die Planetshakers - aber wirken sie auch Wunder? ····· Carlos Santana sieht den Blues bei Tommy Castro „in guter Hand“  ····· Die kanadischen Progressivrocker Saga verabschieden sich nach 40 Jahren von ihren Fans ····· Slade Alive! erscheint in neuer Luxus-Edition am 29.09.2017 ·····  >>> Weitere News <<<  ····· 

Artikel

Black Mandel - Norwegen, Black Metal, Totschlag und jede Menge schräge Typen

Info

Autor: Berni Mayer

Titel: Black Mandel

Verlag: Heyne Hardcore

ISBN: 978-3-453-40952-1

Preis: € 8,99

384 Seiten

Internet:
http://www.randomhouse.de/heyne
http://burnster.de

„Davon dürfte es gerne noch die eine oder andere Fortsetzung geben“, so schrieb ich im Rahmen der Rezension zu Berni Mayers Debütroman Mandels Büro. Und jetzt hat es nicht mal ein Jahr gedauert, bis der Autor mit Black Mandel einen Nachfolger dazu geschrieben hat.

Noch immer sitzen die beiden ehemaligen Musikjournalisten Max Mandel und Sigi Singer in ihrem Detektivbüro und warten verzweifelt auf Kundschaft. Irgendwie hat es nicht gefruchtet, dass sie ihren letzten großen Fall mit viel Einsatz und mit Bravour gelöst hatten. Da trifft es sich ganz gut, dass man durch ein paar alte Kontakte in der Musiklandschaft die Gelegenheit bekommt, nach Bergen zu reisen, um dem Reunion-Auftritt der legendären Black Metal-Band Dark Reich beizuwohnen. In Bergen kommt man (mit dem Auto) auch an. Aber statt einem entspannten Konzertbesuch, wird man (mal wieder) recht unbefleckt in einen weiteren, etwas mysteriösen Fall verwickelt, in dessen Mittelpunkt das Verschwinden des Dark Reich-Sängers Baalberith steht.

Doch wie auch in Mandels Büro ist diese Rahmenhandlung wieder eher ein Gerüst für etwas Anderes. Mit viel Esprit erzählt Berni Mayer eine Geschichte, die nicht nur ein wenig von der norwegischen Black Metal-Szene von vor 20 Jahren beeinflusst scheint - Kirchenbrände, Eifersüchteleien über Musikkollegen, schwarze Kultisten und okkult verwirrte Geister inklusive. Gegen die im Buch dargestellten Charaktere wirken die beiden Deutschen schon regelrecht wie ein paar bodenständige Spießer, anstatt wie zwei schräge Musikfreaks, die nur aus Versehen zu ihrem neuen Job kamen und gar nicht so wirklich wissen, was sie tun.

Der Schreibstil ist abermals äußerst flüssig und dem Erzähler Sigi „Drachentöter“ Singer sitzt die Zunge recht locker. Seine Seitenhiebe in Richtung der Szene, die sich mal wieder selbst wichtiger nimmt, als sie eigentlich ist, sitzen jedenfalls prächtig und sind verdammt unterhaltsam. Dabei ist die Story teilweise fast ein wenig nebensächlich. Aber wenn sie erst mal in Fahrt kommt (was etwas dauert), möchte man das Taschenbuch auch nicht mehr so schnell aus der Hand legen.

Als reiner Krimiroman wäre Black Mandel vielleicht nicht der erhoffte Überhammer. Aber Berni Mayer, der nebenbei selbst in der Metalband The Gebruder Grim spielt, ist ein guter Beobachter und man hat wohl selten jemand gleichzeitig so ironisch und doch so liebevoll über den Black Metal-Zirkus schreiben gesehen. Ein gewisses musikalisches Interesse sollte man bestimmt haben, um voll auf seinen Kosten zu kommen. Dann tut man es aber richtig!

Mario Karl


Zurück zur Artikelübersicht