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Artikel

Bill Wymann & The Rhythm Kings: ex-Stone vor spärlicher Kulisse

Info

Künstler: Bill Wymann & The Rhythm Kings

Zeit: 14.10.2012

Ort: München - Zirkus Krone

Besucher: ca. 200

Internet:
http://www.billwyman.com

Für langjährige Fans der Rolling Stones war es natürlich ein Muss, dem ehemaligen Bassisten der Stones, Bill Wyman, bei seinem Abstecher im Münchener Zirkus Krone einen Besuch abzustatten. Beworben wurde das Konzert so gut wie überhaupt nicht. Zufällig ist mir in einem Konzertmagazin ein Foto von Bill Wyman aufgefallen. Ich vermute stark, dass dies der Hauptgrund ist, warum so wenig Zuschauer da sind. Außerdem schreckt der stolze Kartenpreis von 50,75 Euro doch den einen oder anderen Konzertbesucher.

Es verwundert deshalb nicht, als um 19 Uhr vor dem Zirkus Krone noch sehr wenig los ist. Vor dem Eingang haben sich einige Auserwählte versammelt, die Zugang zum Backstage-Bereich bekommen. Darunter ist z. B. auch Pete York, der ehemalige Schlagzeuger der Spencer Davis Group, der in Kürze im Zirkus Krone zusammen mit diversen Gastmusikern seinen 70sten Geburtstag feiert. Selbst im Inneren des Zirkus Krone sieht es sehr mager aus. Es sind kaum Leute da. Später spricht ein Security-Mann von 200 zahlenden Gästen. Eine Vorband gibt es heute nicht und so geht pünktlich um 20 Uhr das Licht aus und Bill Wyman und seine Rhythm Kings betreten die altehrwürdige Bühne.

Die Band von Mr. Wyman besteht aus lauter hochkarätigen und temperamentvollen Musikern, die ihr Handwerk solide und mit Begeisterung beherrschen. Ein Musiker ist in der Band, der sein Handwerk solide beherrscht, aber mit sehr wenig Temperament agiert: Mr. Wyman höchstpersönlich. Er steht zwar in der Mitte der Bühne, würde aber viel besser in den Hintergrund passen. Der mittlerweile 76-jährige spielt mit einer Ruhe und Gelassenheit, die fast nicht möglich ist. Es scheint ihn nicht wirklich zu interessieren, was auf oder vor der Bühne passiert. Er macht einfach sein Ding und könnte somit bei jedem Hagebaumarkt arbeiten. Wenn man ihn so auf der Bühne sieht, kann man kaum glauben, dass er einmal der Bassist der gefährlichsten und der am meist berühmt-berüchtigten Rock’n’Roll-Band der Welt gewesen sein soll.

Musikalisch passt jedoch alles. Der Sound ist klasse, die Musiker sind allesamt hoch motiviert und das kleine Publikum freut sich ehrlich über jeden Song, der gespielt wird. Die Songs sind sehr abwechslungsreich und keinesfalls auf eine Stilrichtung oder Zeitepoche fixiert. Es gibt Swing-Klassiker aus den 20er Jahren, alte Blues-Nummern von Howlin’ Wolf oder Little Walter und sogar einige Supremes-Nummern. Die ehemalige Sängerin der Supremes, Mary Wilson, ist ein definitives Highlight der Show. Wenn sie mit einer Wahnsinnsstimme und einer unglaublichen Bühnenpräsenz Songs wie „Baby Love“ oder „Stop! In the Name of Love“ singt, merkt man die Begeisterung, die die Sängerin unter den Fans auslöst. Die zweite Sängerin Beverley Skeete ist ebenfalls bärenstark und hat eine Hammerstimme, die mir sogar noch besser gefällt als die von Mary Wilson. Bei den Songs „This Is A Man’s World“ oder „I Just Want To Make Love To You“ ist Gänsehaut garantiert. Auch Bill Wyman darf einmal vor der Pause ans Mikro und singt den Chuck Berry-Klassiker „Never Can Tell“. Eine schöne Hommage an ein großes Vorbild der Stones, die beim Publikum gut ankommt.

In der Mitte des Sets wird eine 15minütige Pause eingelegt. Danach geht’s mit dem bunten Klassikerreigen weiter. Der Pianospieler Geraint Watkins singt im zweiten Set ein paar Songs und er begeistert das Publikum total. Ein wirklicher Ausnahmemusiker, der auf der Bühne alles gibt. Das Publikum - die meisten sitzen im Rund des Innenraums - ist jedoch während des kompletten Konzerts nicht restlos begeistert. Einige Songs kommen sehr gut an, manche Sachen sind zumindest für meinen Geschmack zu ruhig. Und das ganz große Manko: Es bis kurz vor Schluss wird kein einziger Rolling Stones-Song gespielt. „Time Is On My Side“ wird kurz angespielt, aber nicht zu Ende gespielt. Auf dem Tourplakat wird ganz groß mit der Stones-Zunge geworben und der Hinweis auf den „ehemaligen Bassisten der Rolling Stones“ ist auch nicht zu übersehen. Von daher enttäuscht dieses komplette Ignorieren des Stones-Backkatalogs schon ein bisschen.

Die Fans stehen kollektiv auf, als Bill Wyman zum zweiten Mal ans Mikro geht und den einzigen Stones-Song des Abends „Honky Tonk Woman“ singt. „Dancing In The Street“ beschließt den Abend und die Band um Bill Wyman bekommt viel Applaus. Bill Wyman gibt sogar noch von der Bühne aus ein paar Autogramme. Eine Tatsache, die ich sehr sympathisch finde. Allerdings hätte er sich dafür ein bisschen mehr Zeit lassen können. Und bei den paar Anwesenden hätte er sogar eine kurze Autogrammstunden mit einem Autogramm pro Fan machen können…

Fazit: Ein sehr abwechslungsreicher Konzertabend, der von der musikalischen Qualität keine Wünsche offen gelassen hat. Allerdings hätten sich Bill Wyman und die komplette Band wesentlich leichter getan, wenn sie etwas mehr Songs der Stones gespielt hätte.

Stefan Graßl


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