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Artikel

KEEP-IT-TRUE XV: Harter Stahl und große Emotionen

Info

Künstler: Keep It True XV

Zeit: April 2012

Ort: Lauda-Königshofen - Tauberfrankenhalle

Besucher: 2.000

Internet:
http://www.keep-it-true.de

Zwölf Monate sind schon wieder vergangen und Heerscharen an True Metal-Fans pilgerten am letzten Aprilwochende wieder gen Lauda-Königshofen, denn das (fast schon legendäre) Keep-it-true hatte ein weiteres Mal gerufen! Bereits zum 15. Mal veranstalteten Oliver Weinsheimer und sein Team an fleißigen Helfern dieses Festival. Da könnte man schon vermuten, dass das Ganze mittlerweile zur reinen Routine geworden ist. Aber wohl nur bei wenigen Festivals fließt soviel Herzblut in Bandauswahl und Organisation wie hier. Nicht zuletzt, da Weinsheimer es endlich geschafft hatte einen ganz besonderen Act in der Tauberfrankenhalle auftreten tu lassen, womit man seinen exklusivem Ruf mal wieder gerecht wurde: John Arch, der legendäre erste Sänger von Fates Warning. Aber es gab natürlich noch mehr feine Konzerte an diesen beiden Tagen, die wir nun kurz Revue passieren lassen.


Freitag, 27.04.2012


Bands die Französisch singen, sind mittlerweile auf dem KIT gar nicht mehr so selten. Doch CAUCHEMAR kommen nicht aus unserem westlichen Nachbarland, sondern aus Quebec, Kanada. Geboten wird zur Mittagsstunde - ungewöhnlich für eine Eröffnungsband - Doom Metal. Dazu mit weiblichem Gesang. Die junge, in einen langen Mantel gehüllte Dame namens Annick Giroux mühte sich auch redlich ab, mit ihren ausladenden Gesten und ihrem Gesang Stimmung zu erzeugen. Doch so wirklich haute das leider nicht hin. Dafür ist die Musik der Gruppe für diese Zeit dann doch etwas zu schwerfällig und leider auch zu unspektakulär. Die meisten Anwesenden (was um diese Uhrzeit sogar verhältnismäßig viele waren) sind auch mehr mit dem Begrüßen alter Bekannter, dem gemütlichen Stöbern im umfangreichen Metalmarkt oder dem Leeren des Eröffnungsbiers beschäftigt. Lediglich als recht bekannte Riffs durch die Halle schallten, die sich als sprachlich angepasstes Cover von Candlemass’ „Unter the oak“ entpuppten, ließ das ein paar Nasen aufhorchen.


Die Mercuful Fate-Verehrer PORTRAIT waren als nächste an der Reihe. Das ist natürlich schon eher das, wonach der gemeine Metalfan zum Aufwärmen gierte. Musikalisch war es auch gar nicht verkehrt. Auf der überschaubaren Bühne in Königshofen sind die Schweden allemal besser aufgehoben, als auf dem Bang-Your-Head im letzten Jahr, wo sie den Redakteur nicht gerade überzeugen konnten. Heute füllt insbesondere Sänger Per Karlsson den Raum auch stimmlich mehr aus und zeigte sich in guter Form. Zudem spielte auch der Rest der Band absolut dicht zusammen, so dass die Nummern ihres Zweitlings Crimen Laesae Majestatis Divinae bestens rüber kamen. Lediglich mit „The Adversary“ wagte man einen kleinen Schritt zurück zum Debüt. Zusammenfassend lieferten Portrait den Soundtrack zum Klima in der Halle: es wurde langsam heiß. Ein Umstand der im weiteren Verlauf des Wochenendes nicht gerade den Spaßfaktor erhöhen sollte.


Ein erster Griff in die Kultkiste machte der Veranstalter jetzt und zerrte die Dänen WITCH CROSS hervor. Die Geschichte der Band ist recht typisch für dieses Festival. Gegründet Ende der 70er veröffentlichte man 1984 mit /i>Fit for fight ein ansprechendes Debüt, konnte danach aber nicht mehr wirklich landen und versumpfte im Nirgendwo. Von damals sind sogar noch die meisten Musiker auch heute noch dabei. Aber mit dem Engländer Kevin Moore hat man zumindest einen neuen Sänger mit an Bord, der die Band nicht nur optisch schwer in die Classic Rock-Ecke drückt. Aber das passt gut, denn geboten wird schließlich auch klassischer, europäischer Metal mit NWOBHM-Schlagseite, der heute eh mehr nach Hardrock als alles andere klingt. Die Band hatte zweifellos ihren Spaß, was sich auch auf die ersten Reihen im Publikum übertrug, die Nummern wie „Nightflight in Tokyo“, „No Angel“ oder „Rocking the night away“ abfeierten. Es gab sogar einen neuen Song zu hören. Mal sehen, wie es mit Witch Cross weitergeht.


Danach wurde es musikalisch etwas fragiler. Die italienischen Prog-Metaller ADRAMELCH hatten sich angesagt. Begegnet waren sie mir das letzte Mal vor ein paar Jahren auf dem Bang-Your-Head, als sie ihr zweites Album Broken history um dieselbe Zeit präsentierten. Wie Portrait, wirkte auch diese Band hier und heute viel besser aufgehoben und man sah es zumindest Sänger Vittorio Ballerio (der mal wieder wie der nette Pizzabäcker von nebenan wirkte) an, dass er sich wohlfühlte. Der Rest der Band beschränkte sich mehr darauf mimikfrei und andächtig seine Parts zu spielen. Die alten Fans freute es natürlich besonders, dass ein großer Teil der Setliste aus Songs der Debüt-Wundertüte Irae Melanox bestand. Aber auch Nummern neueren Datums, wie der Titeltrack von Broken history wurden mehr als wohlwollend aufgenommen. Leider war der Sound recht muffig, so dass spielerische Details nicht selten in den Weiten des Betonbaus versumpften. Noch ein Problem, von dem mehr Bands an diesem Wochenende betroffen sein sollten. Etwas schade war auch, dass man den Auftritt aufgrund eines verspäteten Beginns (technische Probleme?) etwas kürzen musste. So fiel ein Titel des aktuellen Albums Lights into oblivion der Schere zum Opfer, was sicher spannend gewesen wäre, da Adramelch auf ihrem neuesten Streich etwas anders zu Werke gehen. Aber sei’s drum. Der Auftritt war eine angenehme Sache und brachte musikalisch etwas Abwechslung ins Programm.


Ein ganzes Stück handfester - und nicht wenige würden sagen mitreißender - wurde es dann mit der Kultband OZ. Viele sehen in ihnen die erste richtige Metalband aus Finnland, also eine Art schwermetallischem Dino. Aber Oz waren an diesem Freitag alles andere als schwerfällig und eingerostet. Das konnte man ja schon aufgrund ihrer neuen, mit zahlreichen Neueinspielungen angereicherten Platte Burning leather erahnen. Vor allem Frontmann Ape De Martini huschte ständig wie ein muskelbepackter Derwisch über die Bühne und überzeugte nicht nur mit seinem Charisma, sondern auch mit seiner immer noch äußerst kräftigen Stimme. Nicht zuletzt das sorgte dafür, dass das Quintett einen wahren Triumphzug hinlegte. Mit ihrem stampfenden Metal, den man am ehesten noch mit Accept in eine Schublade stecken würde, brachte man auch den richtigen Sound für eine schwermetallische Party mit. Egal ob Oldies der Marke „Gambler“, „Let sleeping dogs lie“ und „Megalomanic“ oder der neue Dampfhammer „Dominator“ - hier wurden die Songs mit aller Wucht in den Boden gerammt. Dementsprechend gelöst war dann auch die Stimmung auf und vor der Bühne. Mit ihren Überhits „Turn the cross upside down“ und „Fire in the brain“ machten Oz dann den Sack zu und beendeten ihren Auftritt, der zu den absoluten Höhepunkten des Wochenendes gehörte.


Die Zeit für einfachen Stampfmetal war danach auch vorbei. Denn der progressiv verwinkelte Power Metal von MYSTIC FORCE eignet sich nicht besonders zum beschaulichen Mitbangen, wenn man ihn nicht zumindest schon vorher ein paar Mal gehört hat. Das stellt beim schwermetallisch hoch gebildeten Publikum meistens kein Problem dar. Trotzdem wollte zuerst nicht so recht Stimmung während der ersten Nummern aufkommen. Das lag (mal wieder) auch am recht undifferenzierten Sound, der das Mithören nicht gerade leichter machte. Die mit ein paar Mitgliedern verjüngte Band gab sich trotzdem alle Mühe und ratterte ihre ausgeklügelten Nummern, die vorwiegend von den ersten beiden Veröffentlichungen Take command und Shipwrecked with the wicked stammten, fachmännisch runter. Trotzdem konnte man sich dem Eindruck nicht ganz erwehren, dass man es mit einer ziemlich zusammen gewürfelten Truppe zu tun hat, auch wenn jeder davon sein Handwerk versteht. Dreh- und Angelpunkt war natürlich Bandkopf und Bassist Keith Menser, der schon beim ersten Song so aussah, als würde er die letzten 20 Jahre schon ununterbrochen auf der Bühne stehen. Vielleicht nicht das beste Konzert des Wochenendes, aber für alte Fans trotzdem ein Grund zur Freude. Denn in dieses Vergnügen kam man in Europa heute das erste Mal.


Schon um einiges öfter hat man in unseren Breitengraden die Amis SLOUGH FEG gesehen. 2005 haben sie auch hier bereits gespielt. Der damalige Auftritt war hiergegen aber fast ein laues Lüftchen. Denn was das Quartett an diesem Tag in Königshofen abzog, war wirklich großes Kino. Ganz egal was man in dieser Stunde spielte, alles wurde ein Rausch aus grandiosen, eingängigen Melodien, traumwandlerisch zusammen gefügten, zweistimmigen Gitarrenläufen und geschmeidig pumpenden Rhythmen. Allen voran gab Sänger/Gitarrist Mike Scalzi den überdrehten, etwas überheblichen Frontmann (mehrere Klamottenwechsel inklusive), der das Publikum wahnsinnig pushte. Von der Ausstrahlung her war das definitiv mehr eine tolle Rockshow mit dem Duft der guten alten Zeit, als ein straff durchgeplantes Metal-Konzert. Quasi Whishbone Ash auf LSD treffen auf die jungen Iron Maiden. Sämtliche Songs gingen mehr oder weniger ineinander über und trieben den Adrenalinlevel beständig nach oben. Irgendwo dazwischen waren Perlen wie „Tiger! Tiger!“, „95 thesis“, „Traders & gunboats“, „High passage/Low passage“ und „Lycantropic fantasies“ zu finden. Besonders euphorisch wurde ein plötzlich auftauchendes „Diamonds and rust“ (á la Judas Priest) empfangen. Mit „Final gambit“ endete dann diese jubelnde Show, die doch wesentlich professioneller und beseelter als einiges andere an diesem Wochenende klang. Sehr, sehr gut!


Eine weitere Deutschlandpremiere folgte im Anschluss mit SWORD. Die Kanadier konnten vor allem mit ihrem 1986er Debüt Metalized ziemlich in der Szene punkten. Mit dem zwei Jahre später erschienen Nachfolger Sweet dreams zwar nicht mehr so sehr, aber vergessen hat man das Quartett bis heute nicht. Die schwül aufgeheizte Halle ist so richtig voll als die Band mit „Outta control“ ihren Auftritt startet. Und der Titel passt recht gut, denn es herrscht schon eine ziemlich ausgelassen Stimmung. War man anfangs vielleicht etwas skeptisch, ob die Herren diesen hohen Billingplatz überhaupt rechtfertigen würden, muss man neidlos anerkennen, dass sie das wirklich taten. Ihr geradliniger Amimetal machte unglaublich Laune, was nicht zuletzt am hier endlich hervorragenden Sound, sondern auch an der sympathischen Ausstrahlung der Band lag. Zudem ist Sänger Rick Hughes immer noch sehr gut bei Stimme. Da verzeiht man ihm auch gerne die typische, stets etwas überheblich wirkende nordamerikanische Art. Die gehört schließlich irgendwie dazu und sorgt für den gewissen, mitreißenden Rockfaktor. Von Nummern wie „Dare to spit“ und „Where to hide“ ließ man sich jedenfalls gerne anstecken - vom ans Ende geklatschten Hit-Doppel „Evil spell“ / „F.T.W.“ sowieso. Wenn man jetzt auf diesen Auftritt zurück blickt, könnte man nicht denken, dass Sword so lange weg vom Fenster waren. Denn sie spielten, als hätten sie die letzten beiden Jahrzehnte nichts anderes gemacht. Oder vielleicht ist es gerade diese lange Pause, welche für einen solchen Adrenalinschub sorgte? Jedenfalls würde man sich das gerne noch einmal anschauen, auch wenn die Songs (man muss es eingestehen) nicht allzu abwechslungsreich sind. Ein weiterer Festivalhöhepunkt allemal.

Was sich allerdings im Anschluss abspielte, war zumindest spieltechnisch und in Sachen Magie um ein paar Stufen höher angesiedelt. Rund eineinhalb Jahrzehnte ist es her, dass PSYCHOTIC WALTZ das letzte Mal als Headliner in unseren Breitengraden unterwegs waren. Es ist viel Zeit seitdem vergangen und der Ruf eine absolute Kultband zu sein, eilte ihnen erst seit ihrer Auflösung so richtig hinterher. Und irgendwie fühlt es sich so an, als seien sie nicht wirklich weg gewesen. Denn das Zusammenspiel der Band ist auch in den kompliziertesten Passagen immer noch traumhaft. Aufgrund der Absage von Savage Blade durften Devon Graves (a.k.a. Buddy Lackey) & Co. eh schon etwas länger spielen. Das nutze die Band aber richtig aus und stand am Ende rund zweieinhalb Stunden lang auf den Brettern und spielte sich quer durch ihren nur vier Alben umfassenden Katalog. Dabei stellte man fest, dass ihr progessiver Metal zwar bisweilen recht verzwickt, aber dann doch auch facettenreich ist. Neben verträumten Epen wie „Into the everflow“ und Mystischem á la „Another prophet song“, gibt es auch simple Hämmer wie „Morbid“, verzwickte Hirnschrauber der Marke „Halo of thorns“ und Feinfühliges wie „I remeber“. Leicht amüsiert stellte Graves fest, dass live die Nummerm vom sonst eher weniger geliebten Drittwerk Mosquito besonders gut ankommen, was Psychotic Waltz gleich mit dem Titeltrack bewiesen. Überhaupt zeigte sich der sympathische und leidenschaftliche Sänger mal wieder als äußerst charmanter Entertainer, der so manche Spielpause mit seinen lockeren Ansagen überbrückte. Trotzdem verließen mit der Zeit immer mehr Besucher die Halle - sei es aus Müdigkeit oder weil die Musik ihnen einfach zu anstrengend war. Wer allerdings bis zum Ende durchhielt, wurde Zeuge eines durchgehend magischen und besonderen Auftritts, einer außergewöhnlichen Band, die ihren Frontmann fast von der Bühne zerren musste, da sie sonst noch heute weiterspielen würde.


Der erste Festivaltag war also schon mal ziemlich gelungen, wenn man vom eher bedächtigen Auftakt absieht. Aber daran dachte niemand mehr, als man sich für einige Stunden aus der Halle verabschiedete.


Samstag, 28.04.2012

Der Start in den zweiten Tag ist bei manchem sicherlich etwas beschwerlich und da tut es gut, sich mit angenehm eingängigem Metal die Birne frei blasen zu lassen. Da setzte der Veranstalter mit VOLTURE genau auf die richtige Karte. Zwar gewinnen die Amis mit ihrem straight nach vorne gehenden Traditions-Metal keinen Innovationspreis. Aber der kraftvolle Gesang und der an den Tag gelegte Elan reißen um die Mittagszeit schon mit. Es waren zwar noch nicht so viele Leute im Saal, doch ließen sich diese von den Jungs auf der Bühne und ihrer guten Laune anstecken. Und das ist für eine Eröffnungsband aller Ehren wert. Zwar verzog man sich nach einer halben Stunde wieder, doch mehr ist halt nicht drin, wenn man gerade mal eine EP veröffentlicht hat.


Nicht weniger energisch wurde es danach mit FUELED BY FIRE. Wie zu erwarten, legten die Thrasher noch ein paar Briketts drauf. Auch sie waren hier schon einmal zu Gast (genau genommen 2008) und damals eine der Überraschungshits des Festivals. Das gelingt ihnen heute natürlich nicht, nachdem sie viele schon kennen. Das heißt aber nicht, dass es an diesem Tag weniger abging als vor vier Jahren. Was auf Platte auf Dauer etwas eintönig ist, machte live an dieser Stelle ziemlichen Spaß. Dass der Vierer auf der Bühne wie eine junge, hungrigere und wesentlich lockere Version von Slayer rüberkommt, begünstigt das Ganze natürlich sehr. Nach kurzen Aufwärmübungen lässt der erste Circle Pit an diesem Tag natürlich nicht lange auf sich warten. Fueled By Fire lassen sich die Wurst nicht so schnell vom Brot ziehen und Zeit zum Verschnaufen gibt es kaum, wenn sie ihre Riffwände äußerst temporeich zersägen - Zeit für Abwechslung aber auch nicht. „Thrash is back“ heißt ihr letzter Song an diesem Tag. Er war zwar nie wirklich weg, trotzdem passt es irgendwie als Motto.


Ich weiß, ich wiederhole mich. Trotzdem ist mit SENTINEL BEAST ein weiterer KIT-Wiedergänger am Start. Im Vorfeld hatte die Band im Frontröhre Debbie Gunn allerdings eine besondere Reunion-Show angekündigt. Aber so wirklich unterschied sich der Auftritt nicht von dem von 2008. Nur dass eben eine andere Besetzung auf der Bühne stand. Inwiefern die original sein sollte, kann ich aber nicht nachvollziehen. Egal, die Hintermannschaft erwies sich als kompetent genug, um die Songs, die irgendwo zwischen Thrash und Speed Metal hin und her schwimmen, mit genug Saft ins Auditorium zu schleudern. Dreh- und Angelpunkt war eh Debbie Gunn, die alles andere als ein zartes Püppchen, sondern mit ihrer kräftigen Stimme ein richtiges sympathisches Metal-Powerpaket ist. Was man an Liedgut zu hören bekam war natürlich auch ziemlich klar, nachdem man neben ein paar Demos lediglich das Debütalbum Depths of death (1986) in der Hinterhand hat. Das Ganze kam jedenfalls gut an, womit die Band ihren Auftritt als Erfolg verbuchen kann.


Eine kleine Überraschung waren danach OSTROGOTH, die der Redakteur nicht wirklich auf dem Schirm hatte. Mit ihrem Hardrock-lastigen Sound hatten die Belgier zwischen den Powerbands vor- und nachher genau das Richtige für ein bisschen gemütliches Mitwippen parat. Melodie und gute Laune konnte man jedenfalls gut vertragen. Die Songs waren schön eingängig und stampften sofort in Beine und Genick. Dass Ostrogoth Kinder der 80er sind, hörte man ziemlich schnell - auch wenn sie noch viel älter aussahen. Dahin deuteten auch die immer wieder eingestreuten Harmoniegesänge, was man auf diesem Festival leider immer ein wenig zu selten hört. Davon ließen sich mit der Zeit immer mehr Leute anstecken, so dass bis zum Ende hin eine sehr lockere und angenehme Atmosphäre herrschte. Das lag mit Sicherheit auch an der an den Tag gelegten Spiellaune, die sich aufs Publikum übertrug. Das Werk der sympathischen Band sollte man vielleicht mal etwas näher unter die Lupe nehmen.


Dass es natürlich nicht weiter so beschaulich rockend blieb, wurde sofort klar, als man beim Blick aufs Billing den Namen WHIPLASH las. Der stand zwar schon vor zwei Jahren mit auf den Werbepostern, doch blicken ließ sich das Trio damals leider nicht. Viel erwartet hatte ich mir nicht von dem Auftritt, nachdem das letzte Album Unborn again eher suboptimaler Natur war. Aber glücklicherweise hatte man eh eine Oldschool-Show angekündigt und die frische Rhythmussektion trat Bandkopf Tony Portaro (Gesang/Gitarre), der wirklich gut in Form war, vielleicht etwas zusätzlich in den Allerwertesten. Whiplash waren an diesem Tag jedenfalls alles andere als eine eingerostete Seniorenband, sondern sie vermöbelten ihre Anhänger ziemlich amtlich. „War monger“, „Stage dive“, „Walk the plank“, „Power thrashing death“, „The burning of Atlanta“ - was gibt’s da noch zu sagen. Der Energielevel war enorm. Gepaart mit der gewissen Asi-Attitüde ergab das ein ziemlich unterhaltsames und kurzweiliges Thrash-Konzert, was das feierwütige Publikum vor der Bühne auch immer wieder mit passenden Pits goutierte. In dieser Form darf sich das Trio gerne öfter hier sehen lassen. Durchaus eine Überraschung.


Der Name Tom Gattis dürfte vielleicht nicht ganz unbekannt sein. Verknüpft wird er meist mit seinen Bands Wardog und Ballistic. Seine erste richtige Band waren allerdings Deuce, die sich kurz vor den Aufnahmen ihrer Debütplatte Breaking point in TENSION umbenannten. Und genau diese spielten jetzt zum Tanze auf und machten bereits mit den beiden Eröffnungnummern „One nation“ und „Wrecking crew“ klar, wo der Hammer hängt. Hier hatte jemand offensichtlich eine Menge Spaß dabei, seine Songs der Menge zu kredenzen. Zudem merkte man Gattis und seinen Weggefährten an, dass hier ein paar richtige Profis auf der Bühne stehen, die sich musikalisch blind verstehen - zudem noch welche die frisch und unverbraucht ans Werk gehen. Nicht schlecht, so macht das Spaß. Die Freude die alten Kamellen auch mal live hören zu können war jedenfalls groß und die Stimmung dementsprechend gelöst. Noch mehr sogar, als man nicht nur Songs vom Debüt, sondern auch Raritäten wie „Death dentence“ und eine Kostprobe aus Deuce-Tagen aus dem Hut zauberte. Für damalige Zeiten - also die ausgehenden 70er - war das schon ganz schön rasantes Zeug. Heute würde man das eher lässigen Heavy Rock mit jeder Menge Dampf auf dem Kessel nennen. Aber egal, der Auftritt fetzte und gehört zu den kurzweiligsten des Wochenendes. Man braucht sich nicht wundern, dass die Fans lautstark nach einer Zugabe verlangten. Ob da vielleicht noch mehr kommt in der näheren Zukunft?


TYTAN sind eine der Unglücksraben der ausgehenden NWOBHM. Als ihr recht feines Debüt Rough justice 1985 erschien, gab es die Band schon gar nicht mehr. Folglich kam auch nichts mehr nach und das Ganze blieb mit den Jahren nicht mehr als ein Geheimtipp für Eingeweihte. Da wundert man sich ein wenig, warum die Briten so weit oben im Programm stehen. Aber der Gedanke ist recht schnell verflogen, als Tytan los- und sich voll ins Zeug legen. Drei Gitarren, Keyboard und jede Menge Mikrofone für die Chöre - hier wird richtig geklotzt. Das grandiose „Blind men and fools“ ist als Eröffnung auch sehr gut gewählt und sorgt sogleich für Gänsehaut. Derart angenehme Melodien gab es an diesem Tag noch nicht allzu oft zu hören. Was noch auffiel war, dass der Gesang von Kal Swan heute viel fester und angenehmer als auf dem Album ist, bei dem er sich auf Biegen um Brechen als Metalsänger ausgeben wollte. Sehr fein! Die Anwesenden ließen sich auch recht schnell auf die Seite der Band ziehen, was bei hymnischem Material wie „Women on the frontline“, „Money for love“ oder „Don't play their way“ auch kein Wunder ist. Es war wirklich schön, diese Lieder mal live zu hören - und dann noch in dieser Qualität.


Tja, wer hätte vor ein paar Jahren gedacht, dass ANVIL noch einmal so durchstarten würden? Sacha Gervasi und dem Film The story of Anvil sei dank. Dass Anvil aber eine unterhaltsame Liveband sind, das wusste der typische KIT-Besucher aber schon lange. Trotzdem hieß man die Kanadier herzlich willkommen. Der Sound war gut, der Start mit dem Doppelschlag „March of the crabs“ und „666“ amtlich und die Stimmung auf der Bühne mehr als ausgelassen. Vor allem Frontmann Lips grinste mal wieder wie ein Honigkuchenpferd von einer Backe zur anderen und man sah ihm an, dass er es immer noch nicht so recht glauben kann, dass er seinen großen Heavy Metal-Traum endlich richtig leben darf. Nach einem kleinen Ausflug in die Neuzeit („Juggernaut of justice“) kam mit „Winged assassins“ auch gleich die absolute Kopfabschraubhymne. Noch kultiger wurde es bei „Mothra“, mit dem auch das obligatorische Vibrator-Gitarrensolo folgte. Immer witzig anzusehen, aber auch etwas zu lange ausgedehnt. Auch Dampfhammer-Schlagzeuger Robb Reiner bekommt seinen Solospot zugedacht, dem man das jazzige Instrumental „Swing thing“ vorne anheftete. Das Publikum freut sich aber erst wieder richtig, als mit „Metal on metal“ der obligatorische Mitbrüller folgt. Dass man das bis dahin ziemlich coole Konzert ausgerechnet mit „Running“ beendet, war etwas befremdlich, aber auch nur ein kleiner Makel. Hat Spaß gemacht.


Dass man den Besuchern des Keep-it-true immer gerne etwas Besonderes bietet, zeigt alleine die Bandauswahl jedes Jahr. Trotzdem hat man sich für 2012 wieder etwas Zusätzliches ausgedacht. Und zwar quasi einen Nachschlag zur New Wave of British Heavy Metal-Anniversary Show von 2009, die sich damals als voller Erfolg entpuppte. Dafür stand die KIT-Hausband Roxxcalibur natürlich wieder Gewehr bei Fuß. Was geboten wird, war abermals geheim. Los ging es mit Sänger Terry Dark von Jameson Raid und einer Akustikversion von „Seven days of splendor“ (im Anschluss auch noch elektrisch dargeboten), das sich nach 30 Jahren Wartezeit zu einem kleinen Underground-Hit mauserte. Der charmante Gentleman führte dann als Moderator durch die Show und konnte Sänger wie Paul Gaskin (Gaskin), Glen Coates (Fist/Hollow Ground), Carl Sentence (Persian Risk) und Mark Sutcliffe (Trespass) begrüßen. Man sieht schon, hier wurde sich eher den kleinen Legenden der hinteren Reihe angenommen, so dass das Echo im Publikum zwar wohlwollend, aber nicht zu euphorisch ausfiel. Etwas ändert sich das als Holocaust-Sänger John Mortimer die Bühne enterte und „Death or glory“ und „Heavy Metal Mania“ zum Besten gab. Hier kommt richtig Schwung in die Bude, den die beiden Savage-Recken Chris Bradley und Andy Dawson für ihr „Let it loose“ nutzen können, auch wenn es spielerisch recht schluderig klingt. Besser gelingt da das Praying Mantis-Doppel „Panic in the streets“ und „Captured city“, bei dem Tino und Chris Troy vorbeischauen. So, jetzt wird es Zeit für ein paar richtige Hits. Von Saxon konnte man wohl keine (Ex-)Mitglieder überreden zu kommen und so hauen Roxxcalibur mit ihrem hauptamtlichen Sänger Chris Stahl „Motorcycle man“ und „Princess of the night“ raus. Kommt natürlich super an, auch wenn das so nicht so recht ins Konzept passt. Dafür macht der Abschluss richtig Sinn. Die größte Band dieser Welle waren Iron Maiden und Oliver Weinsheimer hat es tatsächlich geschafft, einen Musiker aus der alten Zeit der Jungfrauen nach Königshofen zu locken. Nein, nicht etwas Paul Di'Anno, sondern Gitarrist Dennis Stratton, der des Debüt der Band einspielte. Und dieser genießt es ganz offensichtlich, mal wieder vor so vielen Leuten auftreten zu können und dafür noch abgefeiert zu werden. Als Sänger springt Tension-Frontmann Tom Gattis ein und zusammen spielt man das fabelhafte Trio „Prowler“, „Remember tomorrow“ und (was auch sonst?!) „Iron Maiden“. Das Ende war also wirklich super und es kam eine ähnlich fabelhafte Stimmung wie bei der ersten NWOBHM-Show auf. Aber ob es eine dritte Auflage dessen bräuchte? Ich glaube nicht.

So, jetzt erstmal kräftig durchatmen. Was als Abschluss auf dieser Bühne stattfand war ohne Übertreibung legendär. Fates Warning mit Ur-Sänger John Arch einmal live zu erleben war nicht zuletzt für Veranstalter Oliver Weinsheimer ein großer Traum. Als FW-Kopf Jim Matheos im letzten Jahr zusammen mit seinem scheuen Ex-Sänger eine neue Platte unter dem Namen ARCH/MATHEUS veröffentlichte, war das auch schon eine kleine Sensation. Der Chance den erwähnten Traum zu erfüllen, kam man also tatsächlich näher. Und am 28. April diesen Jahres sollte es passieren: nach einem Vierteljahrhundert trat John Arch tatsächlich wieder auf, um seine alten Lieder zu singen, und zwar hier, auf dem Keep-it-true. Die Spannung war natürlich riesig. Und nachdem sich die Umbaupause ewig hinzog, wurde sie nicht gerade kleiner. Erst als die Band (die aktuelle Fates Warning-Mannschaft + Arch) mit dem harten „Neurotically wired“ loslegte, verpuffte die Anspannung. Allerdings die des zurückhaltenden Sängers nicht so wirklich. Man sah im die Nervosität an und irgendwie schien er sich anfangs etwas deplatziert vorzukommen. Gesanglich war aber nichts zu spüren. Jede Note saß perfekt. Der derart dicht gewebte Klangteppich, den die restliche Band auslegte, machte es ihm sicherlich leichter. Arch selbst war wohl am allermeisten überrascht, welche Sympathie im entgegen brandete und seine Dankbarkeit war während seiner herzlichen Ansagen sehr zu spüren. Seine verwundert großen Augen und der offene Mund, als die ganze Halle die Lieder mitsang, waren schon sehenswert. Belohnt wurden die Fans mit solchen Göttergaben wie „The apparition“, „Guardian“ und „Epitaph“. Zwar musste man sich erst durch die schwer zu fassenden, neuen Songs kämpfen, doch mit „The sorceress“ platzte der Knoten endgültig und man wähnte sich im Metalhimmel, umhüllt von einzigartigen (Gesangs-)Melodien und magischen Songstrukturen. Es war wirklich unbeschreiblich und es ist schade, dass dieser Auftritt nicht für die Nachwelt festgehalten wurde. Man muss wohl dabei gewesen zu, um es zu glauben. Nicht wenige waren jedenfalls den Tränen nahe. Auftritte wie diese sorgen dafür, dass das Keep-it-true einen solchen Ruf in der Szene genießt. Mit dem passenden „Exodus“ musste auch dieses Konzert und damit das Festival selbst irgendwann ein Ende finden. Es war fast zu schön um wahr zu sein...


Ob die Macher des Festivals das noch überbieten können? Wahrscheinlich nicht. Aber das ist auch egal. Denn zwei Dinge stehen auch für nächstes Jahr wieder fest: 1. auch 2013 wird es sicherlich wieder ein interessantes Programm geben, 2. wird das Festival auch jetzt schon wieder ziemlich ausverkauft sein. Das Keep-it-true ist eben jedes Jahr wieder ein Art Familientreffen. Das nächste findet am 19. und 20. April 2013 statt. Bereits jetzt sind u.a. Possessed, Holocaust, Medieval Steel, Jack Starr's Burning Starr (Special Oldschool Show), High Spirits, Steel Prophet und Quartz als Gäste bestätigt. Nun denn, bis zum nächsten Mal!



P.S.: Wer sich jetzt noch für die Setlisten der einzelnen Bands interessiert, der konsultiert bitte das sehr lebendige Festival-Forum (direkter Link: http://www.sacredmetal.de/board/viewtopic.php?f=11&t=8977).


Mario Karl


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