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Steven Tyler - Rock'n'Roll-Memoiren einer gealterten Rock-Diva

Info

Autor: Steven Tyler/David Dalton

Titel: Does The Noise In My Head Bother You? - Meine Rock 'n' Roll Memoiren

Verlag: Edel

ISBN: 978-3-8419-0126-2

Preis: € 24,95

416 Seiten

Internet:
http://www.edel.com
http://www.aerosmith.com

Biografien über Rock-Bands können sehr interessant sein - doch leider sind sie oft nur von Außenstehenden verfasst. Dass ein Mitglied einer Band mal selbst zum Stift bzw. zur Tastatur greift, ist eher selten, daher ist eine eigene Autobiografie eines Künstlers doch eigentlich eine lohnende Sache. Ob diese dann wirklich objektiv gerät, sei mal dahin gestellt. Aerosmith-Fans dürfen sich jedoch (zunächst) einmal freuen, dass nach den Lebenserinnerungen von Joey Kramer ("Hit Hard") nun auch Sänger Steven Tyler (64) seine Memoiren veröffentlicht.

Für harte und treue Aerosmith-Fans ist dieses Buch wohl ein Pflichtkauf (für Pharmaziestudenten vielleicht auch...), ob man es aber allgemein Rock-Interessierten warm ans Herz legen sollte, darf bezweifelt werden. Ich persönlich habe durchaus Schwierigkeiten, Does The Noise In My Head Bother You? wirklich zu (be)werten und zu empfehlen, denn irgendwie ist es schon recht abschweifend, abgehoben und oft konfus. Dass Gott eine Frau ist und der heilige Gral eine Vagina war, kann man ja ruhig schreiben, wenn man meint, damit etwas interessantes sagen zu können, aber Sätze wie "Gott und Klang und Sex und die weltumspannende Energie - alles steht in Verbindung miteinander. Es durchströmt deinen Blutkreislauf. Gott ist in den Zwischenräumen deiner Synapsen. Schwingen, sprießen, pulsieren, das ist die Ewigkeit, Baby." oder "Der ganze Planet singt sein kosmisches Klagelied. Die Erdrotation erzeugt ein großes, entsetzlich grummelndes Ges." oder "DNA- und RNA-Ketten haben eine ganz bestimmte Frequenz, die exakt mit einem Oktavton der Erdrotation korrespondiert." nerven eigentlich nur und erinnern an das Universumsgeschwafel von Michael Schenker.

Was man von Memoiren (auch wenn sie den Untertitel Meine Rock'n'Roll Memoiren enthalten) wohl erwarten kann, ist ein roter Faden und eine einigermaßen chronologische oder zumindest thematische Abfolge. Nach der Lektüre von Tylers Autobiografie muss man allerdings sagen, dass man die Worte "roter Faden" nach all dem Muschi- und Sex-Gequatsche ("Ich spritze gern ab, ich komme unheimlich gern.") zwangläufig doppeldeutig betrachtet und dass eben dieser rote Faden des Buches doch irgendwie an einem ganz dünnen und seidenem hängt, denn es geht bisweilen zeitlich doch recht durcheinander und konfus zu. Da wird während der Achtziger mal schnell in die Siebzieger zurück geblendet, ein Ausflug in die Gegenwart genommen, und nach einem Erlebnis aus den Neunzigern weiß man als Leser plötzlich nicht mehr, aus welchem Jahrzehnt nun gerade geplaudert wird; und manchmal hat man den Eindruck, dass einige Zeiträume seines Lebens ganz fehlen (so wird das Album Honkin' on Bobo aus dem Jahre 2004 in dem Buch zum Beispiel mit keiner Silbe erwähnt).

Und wenn Tyler dann noch schreibt, dass er 1978 seine Cyrinda geheiratet hat und 1987 von ihr geschieden wurde und dann später behauptet, er war zwölf (!) Jahre mit ihr verheiratet und weiterhin schreibt, er war im Herbst 1986 auf Entzug in einer Klinik, um ein paar Seiten später zu berichten, dass er 1991 seit sechs (!) Jahren clean war, bekommt man den Eindruck, dass er im Lauf der Jahre nicht nur allerhand durch seine Nase eingesogen, sondern auch sein mathematisches Grundwissen wieder ausgeschnäuzt hat. Und wenn er dann noch schreibt, wie der Song "Dude (Looks Like a Lady)" entstand (ein Song von Permanent Vacation aus dem Jahre 1987) und dabei das Jahr 1991 herhalten muss, grübelt man, ob das Buch einfach nur schlampig verfasst (oder übersetzt) ist oder ob Herr Tyler beim Schreiben etwas benebelt war.

Steven Taylor hat mit Aerosmith sicherlich fantastische Musik geschrieben, als Autor aber nicht überzeugt. Vielleicht hätte er seine Energie besser in ein neues Aerosmith-Album stecken sollen, doch nach der Lektüre des Buches hat man den Eindruck, dass die Band wohl nicht noch einmal zueinander findet. Schade eigentlich.

Jürgen Weber


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