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25 Years after - Mein Leben mit der CD; Folge 8: Chi Coltrane - The Message

54 Mal steht in meiner CD-Liste unter „gekauft bei“: CD Rheinstr.. Denn einen richtigen Namen hatte der winzige CD-Laden in der Verlängerung der Steglitzer Schlossstr. nicht. In dem schmalen Gang zwischen den CD-Regalen an beiden Seiten des schlauchartigen Ladenlokals stand Stefan und verkaufte nicht nur seine CDs, sondern klönte mit den Kunden, empfahl neue oder neu erschienene Alben und lies gelegentlich auch über den Preis mit sich reden.

Für mich als Neu-Berliner war Stefans CD-Laden bald eine der wichtigen Adressen, um in dem Moloch der Millionenstadt ein Gefühl des Zu-hause-Seins zu entwicklen. So hielt ich Stefan auch dann noch die Treue, als er seinen Laden nicht mehr halten konnte und in eine benachbarte Fabriketage auf dem Hinterhof umzog. Und selbstverständlich bin ich nicht auf den Versandhandel umgestiegen, der für ihn immer wichtiger wurde.
Denn der Plausch beim Kauf, oder auch beim Nicht-Kauf, war ja der eigentliche Grund, dass ich meine CDs hier und nicht beim benachbarten Elektronik-Händler erstand. Und ich machte bei Stefan auch etwas, was ich sonst so gut wie gar nicht gemacht habe. Ich bestellte CDs.

In der Regel bin ich beim CD-Kauf extrem geizig. Ich weiß nicht, wie oft es vorgekommen ist, dass ich mir eine neue CD direkt nach dem Erscheinen zugelegt habe. Häufig war es jedenfalls nicht, da man fast jede neue CD wenige Wochen nach Erscheinen deutlich günstiger erwerben kann. Noch lieber war es mir allerdings, Schnäppchen in Ramschkisten oder auf Flohmärkten zu machen.

Stefans liebevolle Kundenpflege lies mich mehrere Male vom Pfade meiner Tugend abweichen. 20 Mal lag der Preis der bei ihm gekauften CDs über 20 DM. Die teuersten Top 10, die ich bei ihm gekauft habe, beginnen gar bei 29 DM. Der einsame Spitzenreiter ist Deep Purples Made in Japan in einer Japan-Pressung für 37 DM. Nur einmal habe ich teurer gekauft - für 4.670 griechische Drachmen, umgerechnet 37,36 DM, weil ich mir - wie aus jedem Urlaub - auch von der Kreta-Reise 1992 unbedingt eine CD mitnehmen wollte.
Mit Sicherheit habe ich in keinem Laden, in dem ich häufiger gekauft habe, einen höheren Preis-Schnitt erreicht, wie bei Stefan. Kundenpflege lohnt sich halt. Eine der CDs, die ich mir bei ihm gezielt bestellt habe, ist Chi Coltranes The Message.

Chi Coltranes war mir schon lange ein Begriff, als christlich geprägte Songwriterin mit einer Wahnsinns-Stimme. Wenige Wochen (oder Monate?) zuvor hatte ich ein grandioses Konzert mit ihr im Münsteraner Jovel erlebt. So richtig gelohnt hat sich der Kauf nicht, denn Chi Coltrane konnte mit diesem Album, das bis heute(!) ihr letztes Studio-Album geblieben ist, nicht einmal im Ansatz an frühere Glanztaten anknüpfen.

Norbert von Fransecky


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