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Artikel

Scram - 20 Jahre Old School Thrash aus Guben

Info

Gesprächspartner: Gene (Git)

Zeit: September 2011

Ort: Berlin - Berlin

Interview: E-Mail

Stil: Thrash Metal

Die Brandenburger Thrasher Scram aus Guben spielen einen feinen Old School Thrash Metal. Aufmerksamkeit erregen sie aber auch durch die extrem individuelle und eigenständige Verpackung der aktuellen CD Rich rotten & poor. Neugierig geworden hat sich Norbert von Fransecky hinter die Tastatur geklemmt und Fragen zu Verpackung, Geschichte und Texten losgeschickt,…
… und sich gleich mit seiner ersten Bitte, man möge ihm doch einmal den bisherigen Werdegang der Band Scram schildern, da diese bisher doch noch ein eher unbeschriebenes Blatt sei, in die Nesseln gesetzt.


Gene: Unbeschriebenes Blatt - klar. Selbst nach 20 Jahre Bandbestehen bewegen wir uns natürlich nicht im Mainstream. Warum auch? Thrash Metal ist ja bekannterweise zum Glück kein Mainstream. Also wie gesagt, Scram wurden fast genau auf den Tag vor 20 Jahren von Gustl und mir gegründet, nachdem wir zuvor etwas musikalische Erfahrungen mit unseren Kumpels von Schleisse Stankend Gliud in einer anderen Band suchten. Scram waren von Anfang an eine reine Metal Band, wobei wir Anfang der 90er Jahre auch gerne dem Hardcore frönten und das musikalisch auch hörbar war. Es wurden dann in den Jahren sechs Eigenproduktionen in Form von Tapes und CDs aufgenommen. Weiterhin gab es diverse Besetzungswechsel an Bass, Gitarre und Gesang, wobei die beiden Gründungsmitglieder nach wie vor dabei sind. Seit ca. Ende der 90er Jahre kam dann Lineup seitig Ruhe in die Band, so dass wir bis heute unverändert mit Peter (Voc), Gustl (Dr), Hans (B) und Gene (Git) zocken.
In den Jahren versuchten wir uns stilistisch zu finden und landeten bei dem was die Band schon immer die ganzen Jahre begleitet - Thrash Metal. Wer hier einen Vergleich hören möchte; Scram machen 90er Jahre Thrash ala Kreator oder Sodom ohne diese Bands exzessiv zu kopieren, sondern die Songs mit der bekannten Scram Attitüde zu versehen.

MAS: Was waren für Dich die Highlights und Wendepunkte in Eurer bisherigen Karriere?

Gene: Der erste Wendepunkt war, als wir in einer festen Besetzung spielten, so dass endlich Ruhe in die Band kam und wir uns endlich auf die Musik konzentrierten. Ich denke, dass es ein sehr wichtiger Punkt ist, dass die Chemie in einer Band stimmen muss. Natürlich sind wir nicht immer einer Meinung und es wird oft bis aufs Messer gestritten, aber im Endeffekt finden wir immer für alle eine akzeptable Lösung. Ist ein bisschen wie in einer Ehe, nur dass man in einer Band 3 Frauen hat!
Das größte Highlight für uns war wohl bisher zusammen mit Vader auf dem Dark Side Festival in Polen zu spielen und polnischen Schnaps zu trinken.

MAS: In den Promopaketen, die man so in die Hand bekommt, spielen die Lyrics in der Regel kaum eine Rolle. Ihr habt ein eng beschriebenes Blatt dabei gelegt, in dem ihr jeden Text einzeln kommentiert. Welche Bedeutung haben für Euch die Inhalte der Texte?

Gene: Da wir nun nicht über Drachen und Schwerter singen, sondern die Texte unser eigenes Leben, und unsere Gedanken widerspiegeln, ist es uns schon wichtig, dass die Leute die unsere Musik hören, auch wissen, worum es geht. Die Linernotes im Promopaket haben natürlich die Absicht die Sachen schnell verständlich zu machen, ohne dass man sich stundenlang durch die Text Metapher durcharbeiten muss. Denn nicht immer sind die Texte einfach und eindeutig geschrieben, sondern sollen auch ein bisschen zum Denken / Nachdenken anregen.

MAS: Da kann ich Dir schnell zustimmen. Die Lyrics zu „Disaster out of Ashes“ sind mir zum Beispiel ziemlich unklar geblieben. Ihr sprecht von heiligen Kriegen und geschlossenen Grenzen. Nehmt Ihr dort Bezug auf die derzeitige Lage im Nahen Osten?

Gene: Ja sicher auch. Es gibt auf der ganzen Welt Kriege, die man unter irgendwelchen Vorwänden legitimiert. Zur Not wird ein heiliger Krieg ausgesprochen, denn die Gesetze einer Religion scheinen ja unantastbar zu sein. Das ist die globale Aussage. Direkt zielt der Song auf das Thema Überwachungsstaat und mit welchen Mitteln versucht wird aus uns einen gläsernen Menschen zu machen. Ganz schnell fliegen mal ein paar Flugzeuge in Wolkenkratzer und schon hat man 1.000 scheinbar legitime Gründe die Kontrollfesseln enger zu schnallen. Aber dieses Thema gibt es ja bekannter Weise nicht nur in unserer Gesellschaft, sondern weltweit und schon seit Jahrhunderten.

MAS: Ist es Zufall, dass gerade der Text zu „No Compromise“ im CD Booklet fehlt, in dem ihr - laut Promoblatt - darauf hinweist, dass mit der (zu schnellen) Wiedervereinigung Deutschlands die Chance vertan wurde, Politik unter einem neuen Paradigma zu beginnen?

Gene: Nö -fehlt nur aus Platzgründen!

MAS: Ihr kommt nicht nur aus der ehemaligen DDR, sondern aus dem äußersten Osten. Guben, das von 1961 bis 1990 Wilhelm-Pieck-Stadt hieß, ist heute deutsch-polnische Grenzstadt, geteilt wie Frankfurt/Oder. Die historische Altstadt liegt auf polnischer Seite.
Was spiegelt sich von der Situation der Stadt in euren Texten?


Gene: Gar nichts, außer vielleicht das in Guben nüscht los ist. Die Teilung der Stadt ist für uns nicht unbedingt so wichtig, um sie thematisieren zu müssen. Wir haben die Teilung nicht miterlebt, sondern sind in der Stadt so aufgewachsen wie sie jetzt ist. Für ältere Generationen ist das sicher eher ein Thema. Für uns weniger, im Gegenteil, musikalisch gibt es da für uns gar keine Grenze. Wir haben mittlerweile gute Freunde in Polen und sind regelmäßig mit ihnen unterwegs. Entweder on the Road in Polen oder Deutschland, oder mal auf `ne frische Flasche Bier in der Kneipe.

MAS: Ost-Biographie hin, Ost-Biographie her - der Eindruck, dass die Ruhrgebiets-Thrasher Sodom (westlicher geht es in Deutschland nicht mehr) ein entscheidender Einfluss für euch sind, ist kaum zu ignorieren. Stimmst Du dem zu?

Gene: Klar - geben wir gerne zu. Wir sind mit der Musik aufgewachsen und da wir nun mal gerne und viel Musik konsumieren, schlägt sich das natürlich in unseren Songs wieder. Und eigentlich zollen wir so indirekt als Fans den German Old School Thrash Tribut.

MAS: Ihr habt Eure aktuelle EP Rich rotten & poor sehr auffällig gestaltet.
Das CD-Cover steckt in einer handnummerierten weißen Papp-Box, die mit „Blut“-Spritzern verziert wurde und in die das Band-Logo eingeschlitzt ist. Die Blutspritzer wiederholen sich dann auf der schwarzen CD. Klärt uns mal auf, wie das technisch gemacht wurde. (Aussen tippe ich auf Wachs. Auf der CD habt Ihr eine andere Technik gewählt.)


Gene: Das ist wie mit einem Geheimrezept - darf ich nicht verraten. Nee Quatsch, das ist innen und außen hoch pigmentierte Farbe aus der Druckerbranche mit einem Pinsel draufgespritzt. Weiter nichts. Das Cover selbst haben wir schon anfertigen lassen.

MAS: Da Du es schon erwähnst, klär mich doch mal über den beruflichen Hintergrund der Band auf - zumindest einer scheint ja in der Druck/Grafik-Branche zu hause zu sein.

Gene: Ja, unser Drummer arbeitet bei einem Verpackungsmittelhersteller. Deshalb haben wir eine schöne Verpackung machen können. Dann haben wir noch einen Sanitärtechniker, Vertriebsplaner in der Büro und Papierbranche und man glaubt es kaum, einen Diplomchemiker. Vielleicht ist der mal für die nächste Pyroshow zu gebrauchen.

MAS: Hat das die Produktion nicht massiv verteuert?

Gene: Im Gegenteil. Die Idee ist genau aus Kostengründen entstanden. Wir habe überlegt wie wir kostengünstig etwas Cooles machen können. Da wir keine Profimusiker sind und alle einen normalen Job nachgehen, haben wir uns eben mal auf Arbeit umgeschaut und so ist diese Idee ohne groß Kohle aus dem Fenster zu schmeissen entstanden.

MAS: `Rich rotten & poor´ ist nun schon anderthalb Jahre alt. Ist in absehbarer Zukunft eine neue Scheibe zu erwarten?

Gene: Wir sind da nicht die Allerschnellsten, aber die Arbeiten an neuen Songs sind voll im Gange.
Diesmal soll die neue Scheibe auch eher rauskommen als der Vorgänger. Haben wir uns jedenfalls auf die Agenda geschrieben.

MAS: Danke für das Interview.

Norbert von Fransecky


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