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Artikel

HUBI MEISEL - der junge Mann und das Meer

Info

Gesprächspartner: Hubi Meisel

Zeit: 28.03.2004

Ort: München

Interview: Telefon

Stil: Progressive Metal

Internet:
http://www.hubimeisel.com

Hubi Meisel hat mit seinem aktuellen Album EmOcean ein wahres Bollwerk von einem progressiven Konzeptalbum vorgelegt - nichts, was man unbedingt erwartet hätte nach seinem letzten Streich CUT, das als reines Coveralbum zwar interessiert, aber nicht unbedingt revolutionär in der Szene aufgenommen wurde.

Mit seinem zweiten Album erzählt der ehemalige Dreamscape Sänger eine Geschichte rund um das Bermuda Dreieck und die versunkene Stadt Atlantis - hier eine ganz (!) kurze Zusammenfassung: Ein Mann bleibt mit seinem Boot in der windstillen Sargasso See liegen, wo ihm Poseidon und dessen Delphin begegnen. Letzterer trägt den Herrn hinunter in Richtung Meeresgrund zu der Stadt Atlantis. Dort erfährt er in einem Plausch mit den Geistern der früheren Könige dieses Reiches, dass die Welt dem baldigen Untergang geweiht ist, wenn die Menschlein nicht bald lernen etwas netter zueinander zu sein. Nach einer spektakulären Heimfahrt berichtet er von seinen Erlebnissen und alles wird gut.

Ganz so einfach wie mit der (hier deutlich gekürzten) Story ist es mit Hubis Musik nicht. Relativ sperriger Progressive Metal eben, der so einige Durchläufe braucht und nicht selten auch mal fragende Gesichter zurücklässt - also fix nach München telefoniert, wo der sympathische Sänger sich bereits meiner Neugierde gewappnet hat.


MAS:
Was genau bedeutet eigentlich "EmOcean"? Ist es ein Wortspiel in Richtung "Emotion"?

Hubi Meisel:
Genau, zum einen ist es eine Anspielung auf "Emotion", also Gefühl, und zum anderen beinhaltet es "Ocean", was sich auf das Konzept bezieht.

MAS:
Wie kamst du auf die Idee, eine eine so wilde Story rund um das Bermuda Dreieck, Atlantis und griechische Mythologie zum Konzept deines Albums zu machen?


HM:
Ich habe die Geschichte nicht einfach wild konstruiert. Ich wollte unbedingt ein Konzeptalbum machen, wusste aber noch nicht genau, worum es darin gehen soll. Glücklicherweise hatte ich gerade in der Planungszeit sehr einprägsame, bildhafte Träume. Seitdem war mir klar, dass das Album EmOcean heißen und irgend etwas mit dem Meer zu tun haben sollte. Bei dem Versuch, mich an den Traum zu erinnern, habe ich verschiedene Bücher gelesen und so Stück für Stück diese Geschichte zusammen gezimmert.

MAS:
Wie ging denn die Recherche genau vonstatten?

HM:
Nachdem ich mir die grundlegende Geschichte überlegt hatte und auch wieder diese Traumbilder vor mir gesehen habe, war mir klar, dass es etwas mit Atlantis zu tun haben musste. Also ging ich in Bibliotheken und habe mir einen Stapel Bücher besorgt, darunter auch die originalen Schriften von Platons Critias. Beim Lesen habe ich festgestellt, dass es zu dem ganzen Atlantis Komplex eine Menge verschiedener Theorien gibt, von denen ich mir dann die Interessanteste herausgesucht habe. So habe ich die Geschichte dann Stück für Stück mit wissenschaftlichem und historischen Background aufgefüllt.

MAS:
Der Ausgang der Story erscheint mir ein wenig kitschig, ebenso wie die Sache mit den Delphinen...

HM:
Ich finde den Ausgang eher richtig positiv... klar kann man es kitschig nennen oder sagen, dass es Weltverbesserei wäre, aber andererseits gibt es ja auch kaum Filme, die kein Happy End haben. Es ist eben ein positives Resumée für den Hörer, ohne dass ich mich dabei bemüht habe großartig auf die Tränendrüse zu drücken oder typische Kitsch-Klischees zu bedienen. Aber man kann es schon als kitschig ansehen, klar.

MAS:
Eigentlich sollte das Album bereits vor einigen Monaten in den Läden stehen, aber es gab da Schwierigkeiten mit deinem ehemaligen Label...



HM:
Ja, da gab es Schwierigkeiten. Ich bin auch sehr froh, dass das Album nur in Deutschland und auch nur für sehr kurze Zeit und in minimaler Auflage auf dem Markt war. Ich will hier keine schmutzige Wäsche waschen, aber die alte Plattenfirma hat sich wirklich reichlich daneben benommen. Mein Anwalt konnte das Ganze dann stoppen und eigentlich sollte das Album auch direkt darauf, noch Ende letzten Jahres, über Lion Music aus Finnland veröffentlicht werden. Aber da Avalon/Marquee aus Japan das Album lizenziert hatten und Wert darauf legten, dass es erst im März erscheint, waren wir gezwungen den VÖ zu verschieben. Damit die Hörer, die schon in EmOcean reingehört und sich darauf gefreut haben, etwas entschädigt werden, habe ich noch zusammen mit den Musikern zwei Bonus Tracks aufgenommen, die Lion Music in Form eines limitierten Digipacks veröffentlicht hat.

MAS:
Am Songwriting war der französische Keyboarder Vivien Lalu maßgeblich beteiligt. Ist das Album deshalb so keyboardlastig geworden?

HM:
Das ist sicherlich ein Grund. Nachdem ich das Konzept geschrieben hatte habe ich Lalu per Internet kennengelernt und wir sind ins Gespräch gekommen. Eigentlich wollte ich ihn nur als Keyboarder für das Album haben, habe dann aber schnell gemerkt, dass wir uns musikalisch gut verstehen und dass er vor allem genau wusste, was ich vorhatte. Deswegen haben wir uns darauf geeinigt, dass er die instrumentale Musik nach meinen Vorgaben komponiert. Wir haben uns dann stückweise, Song für Song, dem Endergebnis so genähert, dass wir uns ausgetauscht haben und er mir seine Ideen geschickt hat. Die grundlegenden Instrumentalparts stammen also von ihm. Er hat sehr viele Keyboardspuren eingebracht, zum Teil sogar sehr, sehr viel Keyboard (lacht), so dass ich manchmal wirklich dabei ins Schwitzen gekommen bin, allen Musikern noch gerecht zu werden. Ich hoffe, dass am Schluss doch noch ein ausgewogenes und nicht alleine vom Keyboard dominiertes Album dabei herausgekommen ist.

MAS:
Auf deinem letzten Album CUT hast du sehr eingängige Popsongs gecovert, dagegen ist "EmOcean" wesentlich progressiver und reichlich schwere Kost geworden. Du scheinst deinen Hörern ziemlich viel abzuverlangen...

HM:
Ja, ich habe jetzt schon einige Male gehört, dass das Album sehr schwer zugänglich ist. Es ist bestimmt deutlich komplexer als CUT, das war einfach nur eine Fun-Scheibe, die gute Laune machen sollte. Die kann man bestimmt auch beim Auto fahren nebenbei hören. EmOcean kann man natürlich auch stückweise hören, aber wer möchte kann auch komplett in die Geschichte eintauchen und dadurch eine Art Film vor dem inneren Auge verfolgen. Da ich unheimlich gerne verschiedenste Sachen mache bleibt es natürlich nicht aus, dass ich auch mal etwas Komplexeres am Start habe.


MAS:
Du hast relativ wenig mit den typischen Metal Klischees zu tun, das beginnt schon bei deinem Namen. Hast du mal über einen Künstlernamen nachgedacht?

HM:
Habe ich eigentlich nie. Nach meinem ersten Album habe ich ja von allen Seiten Schelte bekommen, wie man sich mit so einem uncoolen Schlagernamen überhaupt erdreisten kann Musik zu machen (lacht). Aber mittlerweile haben sich die meisten daran gewöhnt und... ich heiße nun einmal so, warum sollte ich mich also verstellen? Würde ich mir einen Künstlernamen zulegen, wäre das bereits ein Klischee, das ich eigentlich gar nicht bedienen möchte. Spätestens dann, wenn ich einige Alben auf dem Markt habe, werden die Leute aufhören sich über meinen Namen und stattdessen über den Inhalt Gedanken zu machen.

Hendrik Stahl


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